8. Kapitel - In Gefangenschaft
Währenddessen wachte Tanía in einer ihr völlig unbekannten Gegend auf. In den ersten Sekunden hatte sie vollständig die Orientierung verloren und wusste nicht mehr, was geschehen war; dann kamen die Erinnerungen über sie, wie ein Keulenschlag. Ihre Mutter war geschändet worden! Sie wollte ihr helfen, doch dann hatte man sie gefangen genommen. Feindliche Krieger, vermutlich dieselben, die auch Samara angegriffen und von ihrem Ikran geworfen hatten…
Doch Tanía hatte keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Sie bemerkte, dass sie in einer Art Zelle saß, auf nacktem, nassen Boden, der lehmig und schmierig war, ihre Kleidung war zerrissen. Sie war an die Wand gefesselt und mit ihr saßen noch andere Mädchen in der Zelle. Tanía wollte ihnen gerade etwas zurufen, als laute Schreie an ihr Ohr drangen. Es waren Frauen, die sie schreien hörte, und Tanía wusste, was mit ihnen in diesem Moment geschah. Dasselbe, was der feindliche Krieger mit ihrer geliebten Mutter getan hatte.. Ihr wurde schlecht. Verzweifelt versuchte sie, sich von ihren Fesseln zu lösen, doch sie waren so stark, dass es ihr nicht gelang. Im Gegenteil, sie hatte das Gefühl, dass sich die Fesseln an ihren Handgelenken immer stärker zusammen zogen, je mehr sie daran zog…
Dann stieß jemand die Tür der Zelle auf, in denen sie und die anderen Mädchen gefangen waren. Tanía hob den Kopf und sah einen der feindlichen Krieger. Er hatte volle Kriegsbemalung im Gesicht und es ihr war sofort klar, was das bedeutete. Im besten Fall den Tod.. Doch Tanía fragte sich schon, weshalb die Krieger sie nicht bereits in ihrem Dorf getötet hatten, dass sie dazu in der Lage waren, wusste sie. Die Antwort folgte auf dem Fuße. Der Krieger trat auf sie zu und dann begann er, zu reden: Seine Stimme war rau, und er hatte einen ihr unbekannten Akzent in der Stimme, als er sagte: “Du kommst mit mir! Unser Anführer möchte dich kämpfen sehen! Jetzt!” Tanía wusste nicht, was das sollte. Was sollte sie? Kämpfen? Nichts lieber als das.. Leider war sie nicht dazu in der Lage, ihr Zunge im Zaum zu halten, denn es kam aus ihr heraus, noch bevor sie großartig darüber nachdenken konnte: “Du willst, dass ich kämpfe? Nichts lieber als das, ich werde dir zeigen, zu was ich fähig bin, du…” weiter kam sie nicht, denn der Krieger zog eine Peitsche hervor und schlug damit zu. Tanía stöhnte auf und hörte das Keuchen der anderen Mädchen, die neben ihr saßen und sie entgeistert anstarrten. Normalerweise war Samara für solche unbedachten Aktionen bekannt, Tanía galt als etwas umsichtiger. Diese konnte auch nichts mehr sagen. Ihr Lippe war aufgeplatzt und sie blutete. Ohne weitere Widerworte, beziehungsweise Widerstand, ließ sie zu, dass der Krieger ihre Fesseln löste und sie hinter sich herschleifte. Er hatte extrem feste zugeschlagen und sie war in der Tat gerade nicht dazu fähig, sich zu rühren.
Schließlich waren sie an einem Platz angekommen, den Tanía schließlich als eine Art Arena ausmachen konnte, als sie wieder in der Lage war, etwas zu realisieren.
Dann registrierte sie den Mann, der langsam auf den Platz zusteuerte. Sie erkannte ihn sofort. Es war der Mann, der ihre Mutter entehrt hatte. Das Hassgefühl in ihr wuchs ins Unermessliche und sie wollte sich gar auf ihn stürzen, doch der Krieger schlug sie erneut. Tanía stürzte. Sie hörte eine raue Stimme, in einer Sprache, die sie nicht kannte, und dann spürte sie, wie sie an den Armen nach oben gerissen wurde. “Du hast extremen Mut und Kampfgeist. Das gefällt mir!” sprach der fremde Krieger; und sie konnte genau erkennen, dass er lächelte. Doch es war ein gemeines, boshaftes Lächeln. Dann wurde er wieder ernst. “Ich will, dass du dir die Energie für die Kämpfe aufhebst! Du wirst kämpfen; doch sicherlich nicht gegen mich! Soweit bist du noch nicht!”
Tanía antwortete nicht. Sie saß immer noch auf dem Boden, doch sie blickte ihm genau in die Augen. Dieser Bastard sollte wissen, dass sie ihn nicht fürchtete. Und er verstand. Sein Lächeln verschwand und er sprach wieder mit dem anderen Krieger in der, für Tanía, unverständlichen Sprache. Dieser nickte und sah in eine andere Richtung, aus der nun weitere Krieger hervor kamen.
Es waren junge, dynamische Kerle, die um einiges größer waren als sie. Und sie trugen Waffen. Schwere Peitschen aus harter Baumrinde, die, bei richtiger Handhabung, durchaus tödlich sein konnten.
Tanía schluckte. Sie hörte erneut die Stimme des Anführers, der nur ein Wort sagte: “Kämpft!” Und der Kampf ging los. Ohne ein weiteres Wort der Warnung oder einer Art Anweisung, traf Tanía der erste Schlag. Sie wurde vornüber geworfen, hielt sich gerade noch rechtzeitig auf den Beinen und es gelang ihr ebenso gerade noch, dem Schlag des zweiten Kriegers auszuweichen. Sie wusste, dass es hier und jetzt um Leben und Tod ging. Sie würden nicht zögern, ihr Leben auszuhauchen. Von nun an schärfte sie ihre Sinne. Sie schaltete ihre Schmerzen ab, die durchaus da waren, dennoch tat sie alles, um sie nicht mehr zu spüren. Sie musste sich aufs Wesentliche konzentrieren, und das war der Kampf.
Tanía wich dem nächsten Schlag aus. Sie war geschickt, dennoch wusste sie - noch - nicht, wie sie gegen zwei so mächtige Feinde antreten sollte, und dann ohne Waffen, denn sie selbst hatte keine. Sie wusste, es gab nur eine Möglichkeit: Während sie sich weiterhin um die eigene Achse drehte, und den Schlägen der Feinde auswich, begann sie, erst einmal einen der beiden genauer im Blick zu halten. Sie sah, wie er agierte, und erkannte, dass er eigentlich immer nach einem bestimmten Muster handelte.
Schließlich reagierte sie. Er hatte erneut zugeschlagen, und Tanía war erneut geschickt seinem Angriff ausgewichen. Dann griff sie zu. Sie wusste, dass er die Peitsche in einen bestimmten Winkel um sich warf und als er dies erneut in Begriff war zu tun, und sie ihr erneut ins Gesicht schlagen wollte, war sie schneller. Sie griff sich die Peitsche - diese brannte sich in ihr Fleisch, doch sie ignorierte den Schmerz und zog nun ihrerseits an ihr. Der Junge war so überrascht, dass er die Kontrolle verlor - und nun hielt sie die Peitsche in ihrer Hand. Tanía schlug zu. Ebenfalls ohne Rücksicht. Es knallte in seinem Gesicht und man hörte den Schrei.
Der andere Junge hatte ebenfalls in seinem Tun inne gehalten, doch als er den Blick seines Anführers sah, fuhr er sofort mit dem Kampf fort. Tanía spürte einen Schlag auf ihren Rücken und nun war sie es, die vornüber auf die Knie sank. Doch sie hatte sich relativ schnell wieder im Griff und wirbelte herum. Der besiegte Junge hatte sich zurück gezogen und nun waren nur noch dieser hier und sie übrig. Tanía brauchte nicht lange, um ihn zu besiegen.
Sie wirbelte hin und her wich nun wieder seinen Schlägen aus. Die Schmerzen, die sie spürte, und die immer stärker wurden, ignorierte sie. Noch war keine Zeit dafür. Wieder dröhnte die Peitsche heran und wieder duckte sie sich und wich ihr aus - doch gleichzeitig reagierte sie so schnell, dass der Gegner es nicht vorab einschätzen konnte. Sie schlug zu. Sein Unterkiefer knackte und Tanía wusste, dass sie gewonnen hatte.
Erleichtert sank sie auf den Boden. Sie wusste nicht, was nun kam, doch das sollte sie bald erfahren. Der Anführer des Stammes kam auf sie zu und hob sie unsanft hoch. Er drückte ihr einen Dolch in die Hand, und trat im gleichen Augenblick einige Schritte zurück. Gleichzeitig umrundeten ihn mehrere seiner Männer. “Bring sie um!” sagte er und zeigte auf die am Boden liegenden Jungen, die aus der Nase und Mund bluteten. Dort, wo Tanía sie getroffen hatte.
Diese starrte auf den Dolch in ihrer Hand. Der erste Gedanke, der ihr in den Sinn kam, war nicht, die Jungen zu töten. Das wollte sie nie! Sie hatte in Not gehandelt, sie kämpfte extrem ungern, wenn, dann nur, wenn es wirklich sein musste. Dass sie gut war, wusste sie, genauso wie Samara - sie fühlte wieder einen Stich, als sie an ihre beste Freundin dachte - doch sie hatte von Jake und ihrer Mutter gelernt, dass man es sich nur für den wahren Kampf aufheben musste. Niemals würde sie einfach so zum Spaß kämpfen, oder um jemanden zu verletzen, wenn es nicht nötig war. Krieg war kein Spiel! Und diese Jungen waren besiegt. Sie schüttelte den Kopf und sah zu dem Anführer auf, der sich hinter seinen Kriegern “versteckte”, Tanía konnte sich denken, weshalb. Sie lächelte, auch sie konnte noch das Blut in ihrem Mund schmecken und spuckte aus: “Ich töte niemanden, der am Boden liegt! Und derjenige, den ich am liebsten töten würde, hat sich hinter seinen Kriegern versteckt!”
Die Antwort folgte auf dem Fuße. Zwei der Krieger griffen sich Tanía und bevor diese wusste, wie ihr geschah, wurde sie festgehalten. Sie versuchte, sich zu wehren, doch es gelang ihr nicht. Ein anderer Krieger ging zu einem der Jungen und in der nächsten Sekunde stach er ihm einen Dolch ins Herz. Tanía hörte den anderen Jungen wimmern, doch einige Sekunden später ereilte ihn das gleiche Schicksal.
Tanía wurde schlecht. Auch, wenn sie wusste, dass die Jungen zu ihren Feinden gehört hatten, so taten sie ihr dennoch leid. Dann hörte sie die Stimme des Anführers erneut an ihrem Ohr. Sie wurde immer noch von den Kriegern festgehalten, und zwar so, dass sie sich nicht mehr rühren konnte: “So wird mit Kriegern verfahren, die nicht mehr gebraucht werden! Möchtest du so enden, Mädchen?? Ich kann dafür sorgen, dass es nicht so ist! Du hast gut gekämpft. Sehr gut sogar! Und ich kann dafür sorgen, dass du auf der richtigen Seite kämpfst! Auf MEINER Seite!” er winkte zwei weitere seiner Krieger zu sich, die einen großen Krug in den Händen hielten.
Tanía hatte nicht einmal verstanden, was genau der Anführer ihr damit hatte sagen wollen. Und sie hatte auch keine Zeit, sich weitere Gedanken darüber zu machen, denn im nächsten Augenblick zog ihr einer der Krieger die Haare und ihren Kopf nach hinten. Dann öffnete er gewaltsam ihren Mund - und bevor Tanía noch wusste, wie ihr geschah, oder in der Lage war, sich dagegen zu wehren, wurde ihr der Inhalt des Kruges gewaltsam eingeflößt. Es war ein widerliches Gebräu, das Tanía noch nie getrunken hatte. Der erste Gedanke war, es auszuspucken, doch das machten ihr ihre Feinde unmöglich. Sie musste schlucken, ob sie wollte oder nicht, und ihr wurde schlecht. Doch es schien nicht enden zu wollen, der Inhalt wurde und wurde nicht leer, und Tanía überkam nicht nur eine Übelkeit, die kaum zu beschreiben war, langsam hatte sie zudem auch noch das Gefühl, dass ihr Bauch zu platzen drohte und jemand - oder etwas - von innen gegen ihre Schädeldecke schlug. Sie würgte. Doch es half nichts.
Langsam sank sie hinab. Der Himmel stürzte auf sie und alles um sich herum begann, sich zu drehen. Was Tanía da eingeflößt bekam, war eine Art Droge; die Tscha´lar hatten sie aus dem Gift von Schlangen, Baumharz und giftigen Pilzen gewonnen; versetzt mit einem Getränk, damit es nicht den Tod brachte. Schließlich gab der Anführer das Zeichen, dass sie aufhören sollten, und die Krieger brachten die beinahe bewusstlose Tanía zurück in ihr Gefängnis.
Sie wussten, dass sie nach einiger Zeit aufwachen würde, und ihr Anführer hatte noch viel mit ihr vor.
Ja, er wusste, dass sie gut war. Er hatte gesehen, wie gut! Und sobald sie die Wirkung der Droge einigermaßen verdaut hatte, würde es weiter gehen; zum zweiten Schritt. Noch war sie nicht soweit, wie er sie haben wollte; doch auch das würde noch kommen. Er würde es schon noch schaffen! Und wenn er ihr nur noch die Droge verabreichen musste - irgendwann war sie soweit. Und dann würde sie seine gefährlichste Waffe werden, im Kampf gegen die Omaticaya!…
Doch Tanía hatte keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Sie bemerkte, dass sie in einer Art Zelle saß, auf nacktem, nassen Boden, der lehmig und schmierig war, ihre Kleidung war zerrissen. Sie war an die Wand gefesselt und mit ihr saßen noch andere Mädchen in der Zelle. Tanía wollte ihnen gerade etwas zurufen, als laute Schreie an ihr Ohr drangen. Es waren Frauen, die sie schreien hörte, und Tanía wusste, was mit ihnen in diesem Moment geschah. Dasselbe, was der feindliche Krieger mit ihrer geliebten Mutter getan hatte.. Ihr wurde schlecht. Verzweifelt versuchte sie, sich von ihren Fesseln zu lösen, doch sie waren so stark, dass es ihr nicht gelang. Im Gegenteil, sie hatte das Gefühl, dass sich die Fesseln an ihren Handgelenken immer stärker zusammen zogen, je mehr sie daran zog…
Dann stieß jemand die Tür der Zelle auf, in denen sie und die anderen Mädchen gefangen waren. Tanía hob den Kopf und sah einen der feindlichen Krieger. Er hatte volle Kriegsbemalung im Gesicht und es ihr war sofort klar, was das bedeutete. Im besten Fall den Tod.. Doch Tanía fragte sich schon, weshalb die Krieger sie nicht bereits in ihrem Dorf getötet hatten, dass sie dazu in der Lage waren, wusste sie. Die Antwort folgte auf dem Fuße. Der Krieger trat auf sie zu und dann begann er, zu reden: Seine Stimme war rau, und er hatte einen ihr unbekannten Akzent in der Stimme, als er sagte: “Du kommst mit mir! Unser Anführer möchte dich kämpfen sehen! Jetzt!” Tanía wusste nicht, was das sollte. Was sollte sie? Kämpfen? Nichts lieber als das.. Leider war sie nicht dazu in der Lage, ihr Zunge im Zaum zu halten, denn es kam aus ihr heraus, noch bevor sie großartig darüber nachdenken konnte: “Du willst, dass ich kämpfe? Nichts lieber als das, ich werde dir zeigen, zu was ich fähig bin, du…” weiter kam sie nicht, denn der Krieger zog eine Peitsche hervor und schlug damit zu. Tanía stöhnte auf und hörte das Keuchen der anderen Mädchen, die neben ihr saßen und sie entgeistert anstarrten. Normalerweise war Samara für solche unbedachten Aktionen bekannt, Tanía galt als etwas umsichtiger. Diese konnte auch nichts mehr sagen. Ihr Lippe war aufgeplatzt und sie blutete. Ohne weitere Widerworte, beziehungsweise Widerstand, ließ sie zu, dass der Krieger ihre Fesseln löste und sie hinter sich herschleifte. Er hatte extrem feste zugeschlagen und sie war in der Tat gerade nicht dazu fähig, sich zu rühren.
Schließlich waren sie an einem Platz angekommen, den Tanía schließlich als eine Art Arena ausmachen konnte, als sie wieder in der Lage war, etwas zu realisieren.
Dann registrierte sie den Mann, der langsam auf den Platz zusteuerte. Sie erkannte ihn sofort. Es war der Mann, der ihre Mutter entehrt hatte. Das Hassgefühl in ihr wuchs ins Unermessliche und sie wollte sich gar auf ihn stürzen, doch der Krieger schlug sie erneut. Tanía stürzte. Sie hörte eine raue Stimme, in einer Sprache, die sie nicht kannte, und dann spürte sie, wie sie an den Armen nach oben gerissen wurde. “Du hast extremen Mut und Kampfgeist. Das gefällt mir!” sprach der fremde Krieger; und sie konnte genau erkennen, dass er lächelte. Doch es war ein gemeines, boshaftes Lächeln. Dann wurde er wieder ernst. “Ich will, dass du dir die Energie für die Kämpfe aufhebst! Du wirst kämpfen; doch sicherlich nicht gegen mich! Soweit bist du noch nicht!”
Tanía antwortete nicht. Sie saß immer noch auf dem Boden, doch sie blickte ihm genau in die Augen. Dieser Bastard sollte wissen, dass sie ihn nicht fürchtete. Und er verstand. Sein Lächeln verschwand und er sprach wieder mit dem anderen Krieger in der, für Tanía, unverständlichen Sprache. Dieser nickte und sah in eine andere Richtung, aus der nun weitere Krieger hervor kamen.
Es waren junge, dynamische Kerle, die um einiges größer waren als sie. Und sie trugen Waffen. Schwere Peitschen aus harter Baumrinde, die, bei richtiger Handhabung, durchaus tödlich sein konnten.
Tanía schluckte. Sie hörte erneut die Stimme des Anführers, der nur ein Wort sagte: “Kämpft!” Und der Kampf ging los. Ohne ein weiteres Wort der Warnung oder einer Art Anweisung, traf Tanía der erste Schlag. Sie wurde vornüber geworfen, hielt sich gerade noch rechtzeitig auf den Beinen und es gelang ihr ebenso gerade noch, dem Schlag des zweiten Kriegers auszuweichen. Sie wusste, dass es hier und jetzt um Leben und Tod ging. Sie würden nicht zögern, ihr Leben auszuhauchen. Von nun an schärfte sie ihre Sinne. Sie schaltete ihre Schmerzen ab, die durchaus da waren, dennoch tat sie alles, um sie nicht mehr zu spüren. Sie musste sich aufs Wesentliche konzentrieren, und das war der Kampf.
Tanía wich dem nächsten Schlag aus. Sie war geschickt, dennoch wusste sie - noch - nicht, wie sie gegen zwei so mächtige Feinde antreten sollte, und dann ohne Waffen, denn sie selbst hatte keine. Sie wusste, es gab nur eine Möglichkeit: Während sie sich weiterhin um die eigene Achse drehte, und den Schlägen der Feinde auswich, begann sie, erst einmal einen der beiden genauer im Blick zu halten. Sie sah, wie er agierte, und erkannte, dass er eigentlich immer nach einem bestimmten Muster handelte.
Schließlich reagierte sie. Er hatte erneut zugeschlagen, und Tanía war erneut geschickt seinem Angriff ausgewichen. Dann griff sie zu. Sie wusste, dass er die Peitsche in einen bestimmten Winkel um sich warf und als er dies erneut in Begriff war zu tun, und sie ihr erneut ins Gesicht schlagen wollte, war sie schneller. Sie griff sich die Peitsche - diese brannte sich in ihr Fleisch, doch sie ignorierte den Schmerz und zog nun ihrerseits an ihr. Der Junge war so überrascht, dass er die Kontrolle verlor - und nun hielt sie die Peitsche in ihrer Hand. Tanía schlug zu. Ebenfalls ohne Rücksicht. Es knallte in seinem Gesicht und man hörte den Schrei.
Der andere Junge hatte ebenfalls in seinem Tun inne gehalten, doch als er den Blick seines Anführers sah, fuhr er sofort mit dem Kampf fort. Tanía spürte einen Schlag auf ihren Rücken und nun war sie es, die vornüber auf die Knie sank. Doch sie hatte sich relativ schnell wieder im Griff und wirbelte herum. Der besiegte Junge hatte sich zurück gezogen und nun waren nur noch dieser hier und sie übrig. Tanía brauchte nicht lange, um ihn zu besiegen.
Sie wirbelte hin und her wich nun wieder seinen Schlägen aus. Die Schmerzen, die sie spürte, und die immer stärker wurden, ignorierte sie. Noch war keine Zeit dafür. Wieder dröhnte die Peitsche heran und wieder duckte sie sich und wich ihr aus - doch gleichzeitig reagierte sie so schnell, dass der Gegner es nicht vorab einschätzen konnte. Sie schlug zu. Sein Unterkiefer knackte und Tanía wusste, dass sie gewonnen hatte.
Erleichtert sank sie auf den Boden. Sie wusste nicht, was nun kam, doch das sollte sie bald erfahren. Der Anführer des Stammes kam auf sie zu und hob sie unsanft hoch. Er drückte ihr einen Dolch in die Hand, und trat im gleichen Augenblick einige Schritte zurück. Gleichzeitig umrundeten ihn mehrere seiner Männer. “Bring sie um!” sagte er und zeigte auf die am Boden liegenden Jungen, die aus der Nase und Mund bluteten. Dort, wo Tanía sie getroffen hatte.
Diese starrte auf den Dolch in ihrer Hand. Der erste Gedanke, der ihr in den Sinn kam, war nicht, die Jungen zu töten. Das wollte sie nie! Sie hatte in Not gehandelt, sie kämpfte extrem ungern, wenn, dann nur, wenn es wirklich sein musste. Dass sie gut war, wusste sie, genauso wie Samara - sie fühlte wieder einen Stich, als sie an ihre beste Freundin dachte - doch sie hatte von Jake und ihrer Mutter gelernt, dass man es sich nur für den wahren Kampf aufheben musste. Niemals würde sie einfach so zum Spaß kämpfen, oder um jemanden zu verletzen, wenn es nicht nötig war. Krieg war kein Spiel! Und diese Jungen waren besiegt. Sie schüttelte den Kopf und sah zu dem Anführer auf, der sich hinter seinen Kriegern “versteckte”, Tanía konnte sich denken, weshalb. Sie lächelte, auch sie konnte noch das Blut in ihrem Mund schmecken und spuckte aus: “Ich töte niemanden, der am Boden liegt! Und derjenige, den ich am liebsten töten würde, hat sich hinter seinen Kriegern versteckt!”
Die Antwort folgte auf dem Fuße. Zwei der Krieger griffen sich Tanía und bevor diese wusste, wie ihr geschah, wurde sie festgehalten. Sie versuchte, sich zu wehren, doch es gelang ihr nicht. Ein anderer Krieger ging zu einem der Jungen und in der nächsten Sekunde stach er ihm einen Dolch ins Herz. Tanía hörte den anderen Jungen wimmern, doch einige Sekunden später ereilte ihn das gleiche Schicksal.
Tanía wurde schlecht. Auch, wenn sie wusste, dass die Jungen zu ihren Feinden gehört hatten, so taten sie ihr dennoch leid. Dann hörte sie die Stimme des Anführers erneut an ihrem Ohr. Sie wurde immer noch von den Kriegern festgehalten, und zwar so, dass sie sich nicht mehr rühren konnte: “So wird mit Kriegern verfahren, die nicht mehr gebraucht werden! Möchtest du so enden, Mädchen?? Ich kann dafür sorgen, dass es nicht so ist! Du hast gut gekämpft. Sehr gut sogar! Und ich kann dafür sorgen, dass du auf der richtigen Seite kämpfst! Auf MEINER Seite!” er winkte zwei weitere seiner Krieger zu sich, die einen großen Krug in den Händen hielten.
Tanía hatte nicht einmal verstanden, was genau der Anführer ihr damit hatte sagen wollen. Und sie hatte auch keine Zeit, sich weitere Gedanken darüber zu machen, denn im nächsten Augenblick zog ihr einer der Krieger die Haare und ihren Kopf nach hinten. Dann öffnete er gewaltsam ihren Mund - und bevor Tanía noch wusste, wie ihr geschah, oder in der Lage war, sich dagegen zu wehren, wurde ihr der Inhalt des Kruges gewaltsam eingeflößt. Es war ein widerliches Gebräu, das Tanía noch nie getrunken hatte. Der erste Gedanke war, es auszuspucken, doch das machten ihr ihre Feinde unmöglich. Sie musste schlucken, ob sie wollte oder nicht, und ihr wurde schlecht. Doch es schien nicht enden zu wollen, der Inhalt wurde und wurde nicht leer, und Tanía überkam nicht nur eine Übelkeit, die kaum zu beschreiben war, langsam hatte sie zudem auch noch das Gefühl, dass ihr Bauch zu platzen drohte und jemand - oder etwas - von innen gegen ihre Schädeldecke schlug. Sie würgte. Doch es half nichts.
Langsam sank sie hinab. Der Himmel stürzte auf sie und alles um sich herum begann, sich zu drehen. Was Tanía da eingeflößt bekam, war eine Art Droge; die Tscha´lar hatten sie aus dem Gift von Schlangen, Baumharz und giftigen Pilzen gewonnen; versetzt mit einem Getränk, damit es nicht den Tod brachte. Schließlich gab der Anführer das Zeichen, dass sie aufhören sollten, und die Krieger brachten die beinahe bewusstlose Tanía zurück in ihr Gefängnis.
Sie wussten, dass sie nach einiger Zeit aufwachen würde, und ihr Anführer hatte noch viel mit ihr vor.
Ja, er wusste, dass sie gut war. Er hatte gesehen, wie gut! Und sobald sie die Wirkung der Droge einigermaßen verdaut hatte, würde es weiter gehen; zum zweiten Schritt. Noch war sie nicht soweit, wie er sie haben wollte; doch auch das würde noch kommen. Er würde es schon noch schaffen! Und wenn er ihr nur noch die Droge verabreichen musste - irgendwann war sie soweit. Und dann würde sie seine gefährlichste Waffe werden, im Kampf gegen die Omaticaya!…

