19. Kapitel - Höllenqualen - Seelentausch
Kurz nachdem Jake und Neytiri wieder auf dem Boden gelandet waren, und sich noch ein wenig gegenseitig gewärmt hatten, besprachen sie, wie es weiter gehen sollte.
Jake hatte bereits einen Plan entwickelt, der langsam in ihm Gestalt annahm. Dazu würde er sein Dorf verlassen müssen, und es war sicherlich auch nicht ganz ungefährlich, aber es war eine große Chance für sie, gegen die Tscha´lar anzukommen. Eventuell ihre einzige? Er wusste es nicht. Er erzählte Neytiri von seinem Plan, und diese schaute ihn zuerst lange an, dann nickte sie schließlich. "Es wird eine große Stütze für uns sein. Wann wirst du fortgehen?" Ihre Stimme klang wie immer kühl, doch Jake wusste, das es anders in ihr aussah. Er küsste sie noch einmal, dann blickte auch er ihr in die Augen und antwortete: "So bald wie möglich. Allerdings möchte ich zuerst Tsu´tey und den anderen davon erzählen, ich denke, sie haben gerade eine Versammlung. Ich sollte dort sein, es ist genug Zeit vergangen... Schöne Zeit.." setzte er nach und lächelte. Neytiri lächelte ebenfalls. "Ja, da hast du Recht. Aber jetzt sollten wir gehen. Auch ich möchte bei der Ratsversammlung dabei sein!" Und so machten sie sich beide fertig, um zu Tsu´tey und den anderen zu gelangen, und zu erfahren, was diese bereits besprochen hatten.
Als sie gerade einige Schritte aus ihrer Hütte getreten waren, kam ihnen ein junger Krieger entgegen. Man konnte ihm ansehen, dass er sich beeilt hatte, zu ihnen zu kommen. Jake bekam ein extrem schlechtes Gefühl, als er ihn bemerkte. Bevor er fragen konnte, was los war, rief der Junge auch schon: "Jake, Neytiri, kommt sofort ins Lazarett!"
Jakes Herz machte einen Hüpfer. War etwa wieder etwas passiert? Hatte ein erneuter Angriff stattgefunden, während Neytiri und er... Bevor er etwas fragen konnte, sprach auch schon Neytiri: "Was ist geschehen, Oy`lan? Ist etwas mit Samara?" Allerdings konnte sie sich das nicht vorstellen, sie konnte nichts dergleichen spüren. Und seit ihre Tochter, dank Jake und Eywa, wieder unter den Lebenden weilte, hatten beide ihre Verbindung wieder, die sie, kurzfristig, verloren hatten. Neytiri fröstelte, als sie daran zurück dachte. Doch dann riss sie sich wieder zusammen. Auch Jake blickte zu Oy`lan herüber und erwartete nervös eine Antwort. Der junge Mann schüttelte zuerst den Kopf und antwortete, extrem schnell: "Nein, mit eurer Tochter ist alles in Ordnung! Es geht um Tanía! Die Dämonen bringen sie um; Tsu´tey bat mich, euch zu rufen, bitte kommt!"
Jakes Herz machte einen Hüpfer. Im Gegensatz zu Neytiri, die Oy`lans Worte sofort verstand, musste er erst einmal etwas über sie nachdenken. Auch, wenn er bereits über 16 Jahre ein Omaticaya war, so waren ihm einige Bezeichnungen doch noch fremd. Er begriff erst einmal nicht, was der junge Mann mit "Dämonen" gemeint hatte; doch dann wurde ihm klar, dass es mit der verdammten Droge zu tun haben musste, die diese Bestien ihr, und auch den anderen Kindern, eingeflößt hatten. Und er erinnerte sich, was damals, in "seiner alten Welt" auf einen Drogenschub folgte: Entzug!
Jake wurde blass. Er hatte keine Ahnung, was diese Droge genau bewirkte und im Organismus zerstörte. Doch dass dieses Zeug extrem stark sein musste, war ihm schon klar, immerhin schaltete sie das Bewusstsein vollkommen aus. Tanía hätte beinahe Samara umgebracht, vermutlich, weil sie ihre beste Freundin nicht mehr erkannt hatte! Jake fröstelte es. Und ihm war auch bewusst, dass, je stärker die Droge wirkte, desto härter vermutlich der Entzug sein würde. Und wenn Tsu´tey nach ihnen rufen ließ...
Jake wollte nicht weiter denken. Auch Neytiri war anzusehen, was sie fühlte, und so sprachen sie nicht weiter, sondern rannten los.
Wenige Minuten später waren sie im Lazarett angekommen. Sie konnten direkt erkennen, dass sich um Tanías Feldbett einige Freunde versammelt hatten. Jake erkennte sofort Tsu´tey und Samara. Seiner Tochter liefen Tränen über das Gesicht, doch sie weinte leise. Dennoch ließ die Tatsache, dass sie überhaupt weinte, ihn erstarren. War Tanía etwa bereits...?
Langsam bewegte er sich nach vorne, beinahe wie in Zeitlupe; Neytiri folgte ihm. Er blickte auch in Tsu´teys Gesicht, der zumindest nicht zeigte, ob er ihn realisiert hatte. Auch dieser starrte auf seine Tochter, doch anhand seines Gesichtsausdruckes konnte Jake nichts erkennen. Er war einfach nur starr auf Tanía gerichtet, und der starke Krieger verzog keine Miene. Doch Jake kannte seinen Freund gut genug, um zu wissen, wie sehr er leiden musste.
Jake stellte neben Samara, und diese erkannte ihn jetzt erst. Sie presste sich an ihn, und er zog sie an sich heran und küsste sie auf die Stirn. Dann blickte auch er schweigend auf die Tochter seines besten Freundes. Auch Neytiri hatte sich mittlerweile neben ihn gestellt, und blickte ebenfalls auf Tanía herab. Beide hatten das Gefühl, dass ihnen eine eiskalte Hand das Herz zerdrückte. Sie hatten Angst, vor dem, was sie nun erblicken könnten. Eine leblose Tanía, ermordet von den Dämonen, die ihr ein verfeindeter Stamm gewaltsam eingeflößt hatte...
Doch das erste, was beide registrierten war, dass Tanía noch lebte! Zumindest atmete sie noch, aber das war auch das einzig gute daran. Beide konnten sofort erkennen, dass es übel mit ihr aussah.
Ihre Haut glänzte. Schweiß trat aus allen ihren Poren, und rann in Strömen an ihr herab. Sie lang in hohem Fieber; ihre Atmung war definitiv zu schnell und ging nur stoßweise. Und auch, wenn die Lazarett-Frauen alles getan hatten, was in ihrer Macht stand, so wussten sowohl diese, als auch Jake und Neytiri, dass diese Macht nun hier endete.
Sie hatten ihr, wohl zum Versuch das Fieber zu senken, kühle, nasse Blätter auf die Haut gelegt, doch es zeigte keine Wirkung. Im Gegenteil, es schien, als ob dies die Geister noch mehr antrieb, noch stärker zu wüten. Tanías Atmung wurde noch schneller. Sie hechelte nur noch.
Es sah alles andere als gut aus. Jake hob den Kopf und sah erneut zu Tsu´tey herüber. In den ersten Sekunden blickte dieser wieder nur starr auf seine Tochter, doch dann schien er aus seiner Starre zu erwachen, und erwiderte Jakes Blick. Es kam diesem tatsächlich so vor, als würde sein Freund ihn erst jetzt richtig erkennen.
Vermutlich war es auch so, denn dieser sprach schließlich, nach einigen weiteres Sekunden: "Jake, Neytiri.. Danke, dass ihr gekommen seid..." seine Stimme klang gepresst, hart, und Jake konnte nur erahnen, wie sehr sein Freund leiden musste. Zumal er, vor noch nicht allzu langer Zeit, erst seine Frau verloren hatte.
Er musste schlucken. Dann riss er sich zusammen, und antwortete, bevor Neytiri es tun konnte: "Das ist doch selbstverständlich, mein Freund... Wenn ich doch nur etwas tun könnte. Ich würde alles für dich und deine Tochter tun..."
Tsu´tey blickte ihn an. Zuerst konnte Jake dessen Gesichtsausdruck nicht wirklich deuten, denn dieser bekam einen anderen, den er zuvor noch nicht gehabt hatte: "Jake, du weißt, ich bitte dich nicht oft um etwas; und das, worum ich dich jetzt bitte, habe ich noch nie getan. Aber du hast, vor nicht allzu langer Zeit, deine Tochter gerettet, mit Methoden, die aus deiner früheren Welt stammten. Und, wie wir nun alle wissen, war Eywa damit einverstanden. Wir haben unsere Lektion gelernt! Ich bitte dich, Jake. Sieh dir Tanía an! Wenn es eine Möglichkeit gibt, sie mit deinen Fähigkeiten zu heilen, dann tue es! Niemand wird dir deswegen schaden. Jetzt nicht mehr! ich flehe dich an! Bitte, ich darf mein Kind nicht auch noch verlieren!" Und er sank vor Jake auf die Knie.
Jake konnte kaum glauben, was er da gerade sah. Er fühlte sich an den Augenblick erinnert, als sie alle im Kreis um ihn herum gestanden hatten, und ihm ihre Achtung zeugten, nachdem Eywa ihnen das Zeichen gegeben hatte. Auch dort waren sie alle vor ihm auf die Knie gegangen - und es war ihm schon da unangenehm gewesen.
Er schluckte, und sprach schließlich, mit belegter Stimme: "Um Eywas Willen, steh auf, Tsu´tey! Sicher werde ich alles tun, was in meiner Macht steht. WENN es mir möglich ist! Ich habe schon einmal gesagt, dass es auch in meiner Welt früher nicht immer möglich war, Menschen zu retten. Und ich war mir nicht einmal sicher, ob es bei Samara funktionieren würde! Es war der Fall, aber vermutlich hatte ich dabei auch Hilfe von Eywa... Ich werde sie mir ansehen - aber erwarte nicht von mir, dass ich so etwas wie ein "Wunderheiler" bin - das bin ich nicht, und das war ich nie!"
Tsu´tey war wieder aufgestanden und nickte nur. Es schien ihm etwas unangenehm zu sein, dass er seine Contenance verloren hatte, aber er ließ sich nichts anmerken, und sein Gesichtsausdruck wurde wieder so starr wie zuvor.
Jake achtete nicht mehr darauf, sondern beugte sich zu Tanía herunter. Er berührte ihre Arme, und spürte direkt, wie heiß sie waren. Auch ihr Gesicht glich einem Ofen. Er versuchte, sich an eine ähnliche Situation in seiner früheren Welt zu erinnern. Es war schwierig, nach so langer Zeit. Doch schließlich ahnte er, dass ihre Körpertemperatur um die 40 Grad, wenn nicht sogar darüber, liegen dürfte. Niemand hier hatte so etwas wie ein Fiebermessgerät, doch er war sich ziemlich sicher. Und was er auch noch wusste war, dass in dieser Phase keine "Umschläge" mehr helfen würden. Diese Art der Behandlung kannte er auch noch, zumindest kam es ihm dunkel in den Sinn, dass bei leicht erhöhter Temperatur, oder beginnendem Fieber, Wadenwickel und ähnliches durchaus sinnvoll gewesen waren. Aber nicht mehr in diesem Status! Sie würde Medikamente brauchen, die das Fieber massiv senken würden - und Jake wusste, dass es diese Medikamente hier nicht gab. Und dann kamen ja auch noch die Symptome des Entzuges hinzu. Das, was seine Freunde als "Dämonen" bezeichneten.
Tanías Kreislauf war dabei, zusammen zu brechen. Deswegen auch die starke Atmung, vermutlich hervorgerufen durch zu hohen Blutdruck. Doch auch da konnte er nichts tun. Was denn auch? Hier gab es nichts, was dagegen helfen konnte; und wenn, dann hatten die Frauen hier sicherlich bereits alles versucht, was es an heimischen Möglichkeiten gab...
Schließlich blickte er Tsu´tey an, und in seinem Ausdruck stand vermutlich bereits alles, er brauchte nichts mehr zu sagen. Trotzdem hatte er das Gefühl, wenigstens etwas sagen zu müssen: "Es tut mir leid, Tsu´tey... Ich, ich kann nichts tun! Nichts von dem, was ihr vielleicht - vielleicht! - helfen könnte, ist hier vorrätig. Bei Samara ist es etwas anderes gewesen. Bei ihr brauchte ich keine "Hilfsmittel", nur meine Hände. Und, wie ich schon sagte, es war auch ein wenig Glück dabei - und Eywa..."
Mehr konnte er nicht sagen. Tsu´tey schwieg, und sein Gesicht war wieder zur steinernden Maske geworden; doch Jake wusste genau, wie sehr er litt. Und er konnte nur hoffen, dass sein Freund ihm glaubte, und nicht schon wieder über ihn urteilte.
Plötzlich ließ sich jemand vernehmen, die bis jetzt sehr still gewesen war; Jake hörte die Stimme seiner Tochter, die neben ihm stand. Sie versuchte, sich zusammen zu reißen, doch er hörte die Verzweiflung in ihrer Stimme, als sie ausrief: "Aber das kann doch nicht sein! Bitte, es muss doch eine Möglichkeit geben! Ich weiß, dass Eywa nicht will, dass Tanía stirbt, immerhin hat sie mich zu ihr geführt!" Und sie kniete sich ebenfalls zu ihr und strich ihr über das Gesicht.
Im selben Augenblick durchfuhr sie ein Stich. Sie spürte Schmerz, und sie sank zu Boden. Jake rief ihren Namen und kniete sich zu ihr, und auch Neytiri fuhr erschrocken auf. Auch sie hatte dasselbe gespürt, wie ihre Tochter. Und sie ahnte, im Gegensatz zu Jake, was gerade geschehen war.
Jake hielt Samara umklammert, die sich langsam wieder beruhigte. Doch jetzt war er vollkommen neben der Spur. "Was, was war das gerade? Samara, was ist mit dir?" Dann wandte er sich an seine Frau: "Neytiri? Was geht hier vor?"
Diese blickte ihn an, und antwortete: "Die beiden haben eine Verbindung; es ist anscheinend so, wie Samara es gesagt hat, Eywa will nicht, dass Tanía stirbt. Und es soll wohl Samara sein, die sie rettet, nicht Jake!"
Jake blickte Neytiri irritiert an. Er hatte es noch nicht verstanden. Wie sollte Samara Tanía retten? Wenn nicht einmal die Lazarett-Frauen dies bis jetzt tun konnten, und er auch nicht? Zumal er sich erinnern konnte, dass Tanías Zustand, einige Zeit zuvor, als sie hierher gekommen war, nicht einmal halb so schlimm gewesen war, wie jetzt. Anscheinend war sehr viel Zeit vergangen, in der sich Tanías Zustand extrem verschlechtert hatte. Und niemand hatte etwas dagegen tun können. Wieso jetzt ausgerechnet Samara? Und vor allem, wie?
Er konnte es sich nicht vorstellen, und auch Tsu´tey hatte zuerst keine Ahnung. Er war extrem schweigsam, was Jake ebenfalls sehr sorgte. Doch dann spürte er, wie Samara langsam wieder aufstand. Jake half ihr auf und blickte sie angespannt an: "Geht es dir wieder gut?" Samara nickte nur. Sie schien etwas zu überlegen, denn Jake kannte den Gesichtsausdruck, denn seine Tochter nun annahm - und es gefiel ihm nicht. Schließlich sagte sie: "Wir müssen mit Tanía zum Lebensbaum! Es ist ihre einzige Chance! Und ich muss mich mit ihr verbinden! Um die Dämonen aus ihr herauszubekommen!"
Sie blickte in die Runde, in erster Linie zu Tsu´tey, denn sie konnte sich denken, dass ihr Vater nicht sehr begeistert von ihrer Idee war. Und so war es auch. Bevor Tsu´tey etwas sagen konnte, ließ sich Jake vernehmen: "Das kommt überhaupt nicht in Frage! Du hast dich genug in Schwierigkeiten begeben, junges Fräulein! Glaubst du allen Ernstes, dass ich es zulassen werde, dass du dich in so eine Gefahr begibst? Was soll das überhaupt heißen, dich mit Tanía verbinden? Reicht es nicht, dass sie mit dem Lebensbaum verbunden wird?"
Er kam nicht weiter, Neytiri unterbrach ihn: "Nein, Jake, das reicht in diesem Falle nicht! Der Lebensbaum wird auch eine Rolle spielen, er wird der Übermittler sein, der ihre Dämonen aus ihrem Körper zieht... Aber sie sind wohl zu stark, als dass der Baum alleine sie "auswaschen" kann. Es braucht eine weitere, stärkende Kraft, einen Bund, der nur durch eine starke Freundschaft geschaffen werden kann. Die Freundschaft zwischen Samara und Tanía.
Jake, die beiden sind mehr, als "nur" gute Freundinnen. Das habe ich gerade ebenfalls gemerkt. Die beiden sind Seelenverwandte. Und genau deswegen hat Eywa Samara dazu bestimmt, Tanía zu retten. Wenn es jemandem gelingt, dies zu tun, dann nur Samara! Es ist unsere einzige Chance. Tanías einzige Chance!" Und sie blickte zuerst ebenfalls zu Tsu´tey.
Dieser blickte nun zurück. Es schien ihnen allen so, als hätte auch er nun erst richtig begriffen, was Neytiri, und zuvor auch Samara, da gerade gesagt hatten. Bevor er etwas antworten konnte, fiel ihm Jake noch einmal ins Wort: "Tsu´tey, das kannst du nicht zulassen! Samara kann doch nicht Tanías Dämonen übernehmen! Es ist doch nicht mal sicher, ob es überhaupt funktioniert - und es könnte ebenfalls Samaras Tod bedeuten..."
Nun war es Tsu´tey, der ihm ins Wort fiel. Seine Starre hatte sich gelöst, und er sprach mit leicht zitternder Stimme: "Jake, du hast gerade noch gesagt, dass du alles dafür tun würdest, was in deiner Macht steht, um meine Tochter zu retten. Doch deine Macht reicht, laut deinen eigenen Worten, nicht aus, um dies zu tun.
Doch es gibt anscheinend jemanden, der dies tun kann, und dieser jemand ist deine Tochter! Sie hätte vielleicht die Chance, meine Tochter zu retten. Und Eywa gibt ihr die Absolution dazu! Sie hat ihr sogar das Zeichen gesendet! Willst du es ihr verwehren? Soll die einzige Chance vergeben sein, nur weil DU es versagst? Was wärst du für ein Freund, wenn du dies tun würdest?", setzte er noch hinzu.
Jake schluckte. Bevor er antworten konnte, spürte er Samaras Hand, die ihn an seiner Schulter berührte. Er blickte zu ihr, und er konnte ihre Bitte in ihren Augen ablesen: "Bitte, Vater! Ich weiß, was ich tue! Eywa hat es mir gezeigt! Sie hat mir gesagt, dass ich es tun muss - und es ist wahrlich Tanías einzige Chance! Mutter ist einverstanden, die anderen sicherlich auch. Du wärst der einzige, der es versagen würde. Tanías Leben liegt in deiner Hand.." Sie hatte ruhig gesprochen, trotzdem brach es Jake fast das Herz.
Was für eine Frage stellten ihm sein bester Freund und seine Tochter denn da? Was für eine Wahl ließen sie ihm denn? Natürlich wollte er nicht dafür verantwortlich sein, dass die einzige Chance, vergeben würde, Tsu´teys Tochter zu retten. Auch, wenn es ihm schlecht bei dem Gedanken wurde, eventuell dabei seine Tochter auch noch zu verlieren. Zwar wusste er, dass Eywa das Zeichen gesendet hatte, aber ihre Entscheidungen konnten nicht immer nachvollzogen werden. Es war nicht wirklich sicher, dass es auch gut ausgehen würde... Allerdings war ihm auch unklar, weshalb die Gottheit alles daran gesetzt hatte, dafür zu sorgen, dass Samara ihre Freundin fand, und dann auch noch mit ihr kämpfte, und das auch schon unter Einsatz ihres Lebens. Etwas musste Sie sich doch schon dabei gedacht haben...
Schließlich schloss er die Augen und nickte. Er musste wieder Vertrauen zu der Gottheit bekommen. Sie hatte ihm den Weg geebnet, als er am Abgrund stand. Durch sie lebte Samara wieder.
Nun musste er daran glauben, dass ihr Plan einen Sinn hatte, und dass dieser darin bestand, Tsu´teys Tochter zu retten. "Lasst uns gehen", sagte er nur. Samara lächelte. Sie konnte sich denken, dass es Jake nicht leicht gefallen war, doch zumindest stellte er sich ihnen nicht mehr in den Weg. Auch Tsu´tey blickte Jake an und nickte nur. Er war sicherlich auch erleichtert, über Jakes Entscheidung, aber aus seinem Blick war nicht zu erkennen, was er fühlte.
Und so hatten sie schließlich einstimmig die Entscheidung getroffen, und nahmen die halb tote Tanía aus dem Feldbett. Tsu´tey trug sie mit so einer Vorsicht, dass man meinen könnte, er hätte Angst, sie könnte zerfallen. Er spürte ebenfalls die Hitze in ihrem Körper, die sogar noch stärker geworden zu sein schien. Tsu´tey wusste, dass es dem Ende entgegen ging. Die Dämonen wüteten schon so lange in ihr, es war der Endkampf. Jetzt würde nur noch das Schicksal helfen können. Eywa, in Verbindung mit Samara. War das wirklich die Lösung? Konnte Tanías Freundin, Jakes und Neytiris Tochter, ihr wirklich die Dämonen "abnehmen", und dem Lebensbaum, und damit auch Eywa, helfen, sie zu reinigen? War Samara wirklich stark genug dafür? Wenn anscheinend nicht einmal Eywa es alleine konnte? Doch Tsu´tey verwarf die Zweifel, die auch in ihm herum spukten, schnell wieder. Es ging um Tanía! Alles andere war unwichtig! Er würde jede Chance nutzen, die sich ihm bot. Und dies war anscheinend ihre einzige...
Sie hatten ihre Reittiere gerufen, und waren so schnell und dennoch so vorsichtig geritten, wie nur möglich, zum Lebensbaum geritten. Tanía lehnte an Tsu´teys Körper.
Schließlich waren sie angekommen, und Tsu´tey stieg von seinem Reittier ab, und legte Tanía langsam und vorsichtig auf den Boden, direkt unter den Lebensbaum.
Auch Samara war abgestiegen und legte sich direkt neben ihre Freundin.
Eine genaue Vorstellung, von dem, was nun geschehen würde, hatte sie, ehrlich gesagt, auch nicht wirklich, aber Eywa hatte ihr gezeigt, dass es zu geschehen hatte. Und Samara vertraute Eywa. Diese tat nichts ohne Grund, beziehungsweise sie ließ nichts geschehen, ohne dass dies etwas zu bedeuten hatte.
Nachdem nun beide Mädchen direkt nebeneinander lagen, fragte sich nicht nur Samara, was nun geschehen würde. Doch dann beantwortete der Baum die Frage scheinbar von alleine.
Die Stränge wirbelten umher, obwohl wenig, bis gar kein Wind wehte. Es war ein Zeichen, dass wusste Neytiri. Sie nahm einen der Stränge und blickte ihrer Tochter in die Augen. "Bist du wirklich bereit dafür, meine Tochter?" fragte sie; es war mehr eine rhetorische Frage, dennoch meinte Jake, so etwas wie leichte Sorge aus ihr heraus zu hören. Was ihn wiederum nervös werden ließ. Doch er konnte nichts mehr einwenden. Es war zu spät. Das wusste er.
Samara nickte nur und hielt ihrer Mutter ihre Verbindung entgegen. Diese nahm sie, und steckte sie in den Strang des Baumes. Noch spürte Samara nicht viel, nur die leichte, elektrische Spannung, die immer zu spüren war, wenn eine Verbindung zum Baum geschmiedet wurde.
Gleichzeitig hatte auch Tsu´tey schweigend die Verbindung seiner Tochter genommen, und diese mit dem Baum verbunden.
Irgendwie hatte jeder die Vorstellung, dass nun irgend etwas geschehen würde - aber es passierte gar nichts. Abgesehen davon, dass das Kribbeln, das Samara spürte, immer stärker wurde. Aber es gab keine Reaktion, die etwas an Tanías Zustand veränderte.
Plötzlich jedoch, begann diese zu zucken. Ihr Körper bäumte sich auf, aus ihren Poren strömte noch mehr Schweiß als zuvor. Ihre Augen öffneten sich, und alle sahen, dass sie blutrot waren. Die Dämonen kamen zum Ende, das wusste jeder; und keiner verstand den Sinn, weshalb Eywa sie hierher geführt hatte.
Auch Samara nicht, denn auch sie bemerkte natürlich den Sturm, der im Körper ihrer beinahe todgeweihten besten Freundin wütete. Sie schrie auf und nahm wie automatisch deren Hand in ihre;
Und im gleichen Augenblick änderte sich etwas. Jake, und auch die anderen, konnten sehen, wie etwas, was aussah wie ein schwarzer "Hauch", aus Tanía heraus fuhr - ihren Strang entlang, über den Ast, zu Samaras Strang hinüber; und dann an ihrem Strang hinab, direkt in Samaras Mund hinein.
Jake konnte nicht so schnell reagieren, wie er es gerne getan hätte. Er war wie gelähmt vor Schreck, wie die anderen scheinbar auch, die nur hilflos mit ansehen mussten, was geschah. Immer mehr des schwarzen "Hauchs" fuhr aus Tanía heraus, und wurde anscheinend von Samara aufgenommen.
Diese hatte sich ebenfalls aufgebäumt. Auch ihre Augen waren rot geworden. Jake wollte vorpreschen, doch Neytiri hielt ihn fest. Sie blickte ihn nur an, und Jake verstand; egal, was nun geschah, in dieser Situation konnte er nichts mehr ändern. Das Schicksal würde entscheiden, wie auch immer Eywa es für richtig hielt. Er ballte die Hände zu Fäusten und starrte einfach nur auf seine Tochter und auch auf Tanía hinab. Er fühlte sich leer, ausgelaugt. Das Warten machte ihn mürbe. Und er hatte Angst.
Tsu´tey erging es ähnlich. Auch er konnte nur hilflos mit ansehen, wie anscheinend die Dämonen aus seiner Tochter hinaus "gesaugt" wurden - das war ja an sich gut, und hätte ihn auch gefreut, aber so wie es aussah, sorgte Eywa dafür, dass Samara sie wieder aufnahm? Wieso das? Tsu´tey konnte sich daran erinnern, dass Neytiri ihnen gesagt hatte, dass der Baum alleine nicht stark genug dafür sein würde, die Dämonen zu zerstören. Dass sie Samara dafür brauchen würden. Anscheinend geschah gerade genau dies. Also konnte er nur hoffen, dass Jakes Tochter stark genug dafür war. Stärker als seine Tochter?
Alle hielten besonders Samara im Auge. Ihr Körper begann, zu zucken. Immer mehr schwarzer Hauch strömte in sie hinein, und ihre Augen wurden immer roter. Gleichzeitig bemerkten sie, dass bei Tanía eine Veränderung einsetzte: Sie schien ruhiger zu werden. Dennoch waren ihre Augen immer noch rot, und auch ihr Körper war noch warm, allerdings nicht mehr ganz so heiß wie zuvor. Ja, ihr Zustand schien sich langsam tatsächlich zu verbessern.
Dennoch lag Jakes Fokus natürlich auf seiner Tochter - und diese begann nun, zu brennen. Er konnte es erkennen, durch ihre Poren strömte der Schweiß, wie zuvor durch Tanías. "Eywa, was tust du nur?" flüsterte er, nicht fähig mehr zu tun, oder zu sagen. Neytiri stand neben ihm, sie umarmte und küsste ihn: "Vertraue Eywa!" sagte sie nur, doch Jake konnte auch ihre Stimme zittern hören.
Noch sah es nicht gut aus, lediglich so, als ob durch Eywa die Rollen vertauscht worden waren. Und Tanías Zustand hatte sich zwar etwas geändert, dennoch war sie immer noch ohne Bewusstsein, und schein auch noch nicht außer Gefahr...
Währenddessen sah sich Samara einer anscheinend völlig fremden Umgebung gegenüber. Es war schwarz um sie herum, und sie fragte sich, wo sie hier war? Sie konnte kaum ihre Hand vor Augen sehen, und es schien auch, als wäre sie alleine. Wie war sie hierher gekommen? Warum war sie hier? Hatte sie eben nicht noch bei ihrer besten Freundin gelegen, um ihr beizustehen? Ihr Leben zu retten? Und nun war sie irgendwo anders, in einer anderen Welt; war Eywa dafür verantwortlich?
Sie hatte keine Zeit mehr, weiter darüber nachzudenken, denn plötzlich hörte sie ein grauenhaftes Knurren, überall um sich herum. Samara zuckte zusammen. Sie bemerkte es natürlich nicht, aber die Bewegung vollzog sich in der Realtität ebenfalls.
Sie schrie auf, denn etwas hatte sie angesprungen. Sie drehte sich um, zu dem "Wesen", das sie angegriffen hatte. Es war riesengroß. Ein schwarzes Etwas, was sie nicht einmal wirklich erkannte. Sie hatte so ein Biest bisher zuvor noch nie gesehen! Es griff sie erneut an, und Samara fiel der Länge nach hin. Sie drehte sich noch schnell genug auf den Rücken, so dass sie ihre Arme abwehrend über ihr Gesicht halten konnte - doch das Biest erwischte sie mit voller Wucht und riss ihr die Arme auf. Sie schrie auf.
In der Realität bäumte sich Samaras Körper auf und sie schrie sich die Lunge aus dem Leib. Jake zitterte und sackte zu Boden. Er konnte seine Tochter nicht mehr leiden sehen. Auch Neytiri verzweifelte langsam. Sie wollte nicht zweifeln, aber auch sie verstand den Sinn des Ganzen nicht mehr...
Während Samara verzweifelt versuchte, sich gegen das "Biest" zur Wehr zu setzen, hörte sie plötzlich noch eine andere Stimme, die sie zuerst für Einbildung hielt. Sie rief ihren Namen, doch erst nach wenigen Sekunden realisierte Samara, dass es Tanía war, die nach ihr rief! "Samara? Samara, wo bist du?? Ich kann dich hören, aber nicht sehen! WO BIST DU?" Samara hatte bekam Panik. Anscheinend war Tanía auch hier? Aber wieso? Sie sollte doch wenigstens bei ihren Liebsten sein? Was war hier nur los?
Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, hörte sie erneut das dunkle Knurren um sich herum. Sie ahnte, dass ein erneuter Angriff kurz bevor stand. "Ich bin hier, Tanía! Verschwinde von hier! Wo dieses "Hier" auch immer ist! Ich werde angegriffen! LAUF WEG! Bevor es auch dich findet!"
Sie hörte nichts mehr, doch dann spürte sie jemanden direkt neben sich. Gehetzt drehte sie sich um, und konnte Tanía sehen, die neben ihr stand. Sie sah gesund aus! So wie früher! "Du bist wieder in Ordnung? Oh, wie sehr mich das freut! Aber jetzt müssen wir von hier weg, wo auch immer wir hier sind..."
Tanía unterbrach sie: "Hör mir zu, Samara! Ich denke, du bist in einer eigenen Welt gefangen. So wie ich früher! Diese Kreatur, die du da hörst, und eventuell auch siehst, gibt es nicht! Das sind die "Dämonen", die wohl jetzt auch in dir sind! Du musst sie bekämpfen, so wie ich es getan habe. Dank deiner, und Eywas Hilfe! Mir geht es bereits besser! Eywa schickt mich, um dir zu sagen, dass du kämpfen musst. Du musst stärker sein, als die "Dämonen" in dir. Ich weiß, dass du es schaffst. Und ich werde an deiner Seite sein!"
Samara war zuerst irritiert. Verstand sie das richtig? Das hier sollte alles Einbildung sein? Doch dann überlegte sie: Natürlich! Jetzt machte es Sinn! Ihre Mutter hatte doch erklärt, dass Eywa vermutlich die Dämonen aus Tanía heraus saugen würde, aber nicht in der Lage war, sie ohne Hilfe zu vernichten. Also hatte sie diese vermutlich an sie weiter gegeben...
Und deswegen war sie nun vermutlich in diesem furchtbaren Umfeld, und sah diese Bestien, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Und es war nun auch logisch, dass sie diese nicht kannte. Weil es sie nicht gab! Aber ihre Verletzungen, es hatte so weh getan, als dieses Biest sie angefallen hatte..
Samara sah an sich herab und konnte plötzlich keine Spuren einer Verletzung mehr erkennen. Es schien zu stimmen, nichts von dem hier war real!
Dann hörte sie wieder das Knurren um sich herum, doch es hatte bereits stark an Wirkung verloren. Samara drehte sich zu dem Geräusch um, das sie ausmachen konnte, sehen konnte sie in der Dunkelheit immer noch nichts, und rief: "Ich habe keine Angst vor dir! Du bist nicht real! Verschwinde von hier und LASS UNS IN RUHE!" Sie konnte Tanía noch neben sich spüren.
Das Knurren wurde lauter, doch noch war es in ihrer Nähe. Dann konnte Samara spüren, wie Tanía ihre Hand fest drückte. "Wir schaffen es, zusammen!", sagte sie - und beide Mädchen riefen gemeinsam aus: "VERSCHWINDE, DÄMON!"
Und im gleichen Augenblick verschwand das Dunkel um sie herum und auch das Knurren hörte schlagartig auf.
In der Realität bemerkten Jake und die anderen, die immer noch gebannt auf die Mädchen starrten, dass sich im selben Augenblick etwas änderte. Beide Mädchen öffneten ihre Münder - und Jake wollte schon aufschreien, doch er ließ es bleiben, als er sah, dass der letzte schwarze Hauch aus ihnen beiden heraus fuhr. Und im selben Augenblick erwachten sie. Beide gleichzeitig. Ihre Augen waren wieder normal, und sie schwitzten nicht mehr. Das Fieber war verschwunden. Sie schienen geheilt zu sein. Beide!
Bevor Jake und Neytiri zu ihrer Tochter gehen konnten, hatte sich diese bereits aufgesetzt und hatte die, ebenfalls aufrecht sitzende, Tanía umarmt. "Ich danke dir, du hast mir das Leben gerettet!"
Diese antwortete, immer noch leicht geschwächt, aber durchaus wieder im Besitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte: "Ich dir? Du hast mir das Leben gerettet! Und das, mal wieder, unter Einsatz deines Lebens... Das war ich dir schuldig! Außerdem hat es Eywa so gewollt! Wir sind Schwestern, im Geiste. Ich liebe dich, Samara!" "Ich liebe dich auch, Tanía; Schwester im Geiste."
Die anderen hatten keine Ahnung, wovon die beiden da gerade sprachen, aber das war ihnen im Grunde auch egal. Sie merkten, dass es beiden Mädchen wieder gut ging, die Stränge hatte sich gelöst, und so lief schließlich auch Jake herüber zu Samara, die sich von Tanía gelöst hatte, und umarmte sie ebenfalls. Auch Neytiri gesellte sich dazu.
Auch Tsu´tey war zu seiner Tochter gegangen, und hatte diese an sich gezogen. "Ich liebe dich, meine Tochter", sagte er, und das so laut, dass es jeder mitbekam. Sie alle waren erstaunt, da sie diese Worte so, in der Öffentlichkeit, noch nie von ihm gehört hatten. Doch Tanía hinterfragte sie nicht. Sie genoss es einfach, diesen Gefühlsausbruch von ihrem Vater einmal erleben zu dürfen. "Ich liebe dich auch", antwortete sie ihm. Doch einige Sekunden später schien es Tsu´tey aufzufallen, was er gerade getan hatte, denn er räusperte sich, dann ließ er sie los. "Gehen wir zurück! Wir müssen noch besprechen, was wir als nächstes tun wollen, da sind wir stehen geblieben!" sagte er, leicht peinlich berührt. Gefühle waren nicht wirklich seine Art, doch jeder verstand ihn. Er konnte es nicht mehr verhindern.
Jake grinste. Dann half er Samara hoch, die noch etwas wackelig auf den Beinen war. Zudem fiel ihm gerade wieder ein, was er eigentlich vorgehabt hatte, bevor er ins Lazarett gerufen wurde...
"Wartet! Ich wollte euch eigentlich meine Pläne mitteilen, die ich gedenke auszuführen. Es wird, glaube ich, nicht mehr viel Sinn ergeben, wenn ich noch mit ins Dorf zurück gehe. Denn ich werde einige Zeit fort sein."
Samara sah ihn an. Auch die anderen blickten zu ihm, nur Neytiri wusste natürlich bereits, wovon er sprach. Doch genau dies fragte ihn natürlich auch Tsu´tey. Und Jake erzählte es ihm und den anderen. Nachdem sie es sich angehört hatten, nickte Tsu´tey schließlich, und sagte, an Jake gewandt: "Das ist ein gute Idee, Jake. Geh! Eile dich, ich hoffe, du findest ihn schnell. Auch wünsche ich dir auf deinem Weg alles Gute, achte auf dich - und auf die Feinde!" Er legte ihm eine Hand auf die Schulter. Jake nickte. "Natürlich; danke, mein Freund", damit verabschiedeten sie sich.
Samara war natürlich traurig darüber, dass ihr Vater sie schon wieder verließ. Sein Plan klang nicht übel, und es war sicherlich auch von Nöten, was er vorhatte, aber war es wirklich so einfach, wie er sich das vorstellte? Und, wie Tsu´tey es bereits angesprochen hatte, auch nicht ungefährlich! Was war, wenn ihre Feinde ihn fanden? Doch sie konnte ihn nicht aufhalten, dass wusste sie. Und so umarmte sie ihn noch einmal, genauso wie auch Neytiri, und Jake verabschiedete sich schließlich entgültig, dann schwang er sich auf sein Reittier und verschwand in der Ferne.
Die anderen wandten sich schließlich zum Gehen. Dieses Mal ritt Tanía bei Samara auf deren Reittier, und die beiden bildeten eine Einheit, als sie schließlich beim Dorf ankamen.
Doch irgendwann musste Tanía zurück in ihre Hütte. Tsu´tey hatte noch weitere Pläne zu besprechen, und seine Tochter war dort nicht mit eingeplant. Genauso wenig wie Samara. Diese wollte auch mit zu Tania, doch ihr brannte noch eine Frage auf den Lippen. Bevor sie ihrer Freundin folgte, fragte sie Neytiri: "Ist Tanía jetzt wirklich geheilt?"
Neytiri blickte sie an, und etwas in ihrer Stimme irritierte Samara, als diese schließlich antwortete: "Ich weiß es nicht, meine Tochter. Den Dämone, der ihren Körper besetzt hat, und sie beinahe umgebracht hat, den hast du aus ihr entfernt - aber da gibt es noch mehr Dämonen, schleichende, wartende... Noch sind sie klein, oder im Dunkel verschwunden, aber ich fürchte, sie werden irgendwann wieder heraus kommen... Aber noch ist es nicht so weit. Wir müssen allerdings immer noch auf Tanía achten. Und nun geh, zu deiner Schwester im Geiste", und sie lächelte.
Samara entfernte sich, langsam in Richtung von Tanías Hütte. Sie ahnte, was ihre Mutter ihr damit hatte sagen wollen: Die Hauptgefahr war vorbei, Tanía schwebte nicht mehr in Lebensgefahr. Aber da war noch etwas lauerndes: Die Sehnsucht nach dieser Droge, die eventuell irgendwann wieder kehren würde. Samara konnte nur hoffen, dass Tanía dies auch ohne ihre Hilfe schaffen würde. Und wenn nicht, dann würde sie wieder da sein, um ihr Beistand zu leisten. Ihrer Schwester im Geiste. Sie lächelte ebenfalls und lief schnellen Fußes zu Tanía, die sie bereits in Empfang nahm...

