1. Kapitel - ein neues Leben

Wenige Wochen waren vergangen, als eines Abends Neytiri zu Jake kam, der sich nach einem anstrengenden Tag gerade auf ihre gemeinsame Schlafstelle legen wollte, und ihm in die Augen sah. Jake registrierte sofort, dass etwas anders war als normalerweise. Neytiris Augen funkelten und sie strahlte etwas aus, das er sich nicht erklären konnte. “Was ist los? Alles in Ordnung, Neytiri?” fragte er sie. Er machte sich Sorgen. Sie nickte nur und küsste ihn sanft. “Ja, es ist alles in Ordnung. Sogar mehr als das… Das Wunder des Lebens hat uns erreicht, Jake” flüsterte sie. Jake verstand nicht, was sie meinte. Verständnislos schaute er sie an, bis Neytiri auf ihren Bauch herunter schaute, der eigentlich immer noch genau so aussah wie zuvor, und sanft seine Hand nahm und ihn auf denselben legte. Danach schaute sie ihm erneut in die Augen - und plötzlich verstand Jake. Seine Augen wurden groß. “Das, das ist.. Versteh ich das richtig, du, du bist - du bist…” Neytiri lächelte. “Manchmal bist du immer noch ein Mensch, Jake…” aber an ihrer Stimme war zu erkennen, dass sie es nicht böse meinte. Eher ein wenig schelmisch-ironisch. “Ich trage neues Leben in mir; DEIN Leben, Jake…”

Jake durchflutete ein Gefühl der Freude und des Glücks. Er zog Neytiri an sich heran und küsste sie sanft und zärtlich. Er wurde Vater! Jake konnte es kaum fassen. Dann kamen ihm Fragen in den Sinn und er rückte ein Stück von Neytiri fort und fragte sie aufgeregt: “Wie lange dauert es? Ich meine, bis..” “7 Monate, Jake”, sagte Neytiri lächelnd. Jake war beinahe etwas enttäuscht. Er hätte sich beinahe gewünscht, dass es schneller gehen sollte… Als hätte Neytiri seine Gedanken gelesen, antwortete sie: “Auch diese werden vorbei gehen. Und dann wird es ein gesundes junges Mitglied unserer Gemeinschaft werden.” “Es wird unser Kind! Mein Gott, ich werde Vater - wir bekommen ein Kind; ICH WERDE VATER!!!” brüllte er in die Gegend hinaus, und Neytiri lachte. “Weißt du eigentlich schon, was es wird? Ich meine, fühlst du, was es werden wird?” Neytiri blickte ihn ernst an. “Ja, ich fühle was es ist, unsere Verbindung ist bereits jetzt aufgebaut. Aber die Frage ist: Willst du es wissen? Jetzt schon?” Jake überlegte. Wollte er es wissen? Einerseits irgendwie schon, aber andererseits - dann hatte er sich entschieden.

Er schüttelte den Kopf. Nein, ein wenig Grundspannung wollte er sich erhalten, und die paar Monate würde er auch aushalten. “Das habe ich mir beinahe gedacht”, antwortete Neytiri lächelnd und sie küsste ihn erneut. “Und jetzt, gute Nacht, Geliebter.” Jake lächelte ebenfalls und beide kuschelten sich aneinander. Kurze Zeit später waren sie glücklich nebeneinander eingeschlafen…

7 Monate waren vergangen und Jake wurde von einem leisen Keuchen neben sich aufgeweckt. Er schreckte auf und sah sich gehetzt um. Neytiri saß dort und hielt sich den Bauch. “Es ist soweit, Jake”… sagte sie nur, und dieser verstand. Er rief Tsu´tey und einige andere ihrer engsten Vertrauten zu sich und mit ihnen natürlich die Medizinfrauen, dich sich um Neytiri kümmerten. Als erstes wurde diese zu Eywa getragen. Dort stimmten die Medizinfrauen ein Summen an, das für die sichere Geburt und für das Wohlergehen des neuen Lebens sorgen sollte. Andere schlossen sich ihnen an und Jake hielt Neytiris Hand. Seine eigene war völlig verschwitzt, er war so aufgeregt, dass er es kaum aushalten konnte. Die einzige, die völlig entspannt zu sein schien, war Neytiri…

“Ganz ruhig, Jake. Es wird alles gut, ich fühle es..” lächelte sie ihn an. Jakes Herz machte einen Hüpfer. Er wollte es gerne glauben, doch gegen seine Gefühle und Gedanken konnte er nun mal nichts machen. Allerdings wusste er schon, dass die werdenden Mütter mit ihren Kindern “verwachsen” zu sein schienen - so wirklich konnte er es nicht erklären - aber sie wussten instinktiv, ob es dem Kind in ihrem Bauch gut ging oder nicht. Jake hatte mittlerweile auch mitbekommen, dass dies auch später noch galt. Eigentlich bestand ein ganzes Leben lang das besondere Band zwischen Mutter und Kind. Und es gehörte auch dazu, dass Neytiri bereits seit der ersten Minute wusste, was es werden würde; doch er hatte es nicht wissen wollen. Nun würde die Stunde der Wahrheit folgen. Auch, wenn es ihn beruhigte, dass Neytiri ihm bescheinigt hatte, dass alles gut gehen würde, er konnte seine Aufregung nicht abstellen. Immerhin wurde er Vater! Wenn das kein Grund zur Aufregung war, was dann?

Während Jake noch seinen Gedanken nachhing, trat eine der mächtigen Medizinfrauen zwischen ihn und Neytiri und legte ihre Hand auf seine, mit der er Neytiris Hand festhielt. “Geh ein wenig aus dem Weg, Jake-Sully; ich brauche den Platz.” Seit seiner “Widergeburt” hatten ihm die Na´vi diesen Rufnamen gegeben und abgesehen von Neytiri nannte ihn jeder so. Jake nahm es als Teil seines neuen Lebens und es machte ihm nichts aus.
Etwas widerwillig stand er auf und trat einen Schritt von Neytiri fort. Diese lächelte ihm immer noch zu und in ihrem Gesicht lag mal wieder so ein leichter mild-gütiger Ausdruck, mit dem sie ihn immer dann bedachte, wenn sie ihn für “menschlich” hielt…

Jake schluckte und versuchte, sich zusammen zu reißen. Trotzdem schwitzten seine Handinnenflächen und er rieb sie sich an seiner Kleidung ab. Er wollte sich ja so benehmen, wie das wohl die Omoticaya in der Regel in so einer Situation taten, doch das war so verdammt schwer. Er wurde nun einmal zum ersten Mal in seinem Leben Vater, und dann innerhalb seines neuen Lebens, hier in dieser phantastischen Welt… Während er noch nachdachte, begann es. Er hörte Neytiri schreien - und die Medizinfrau, die sich zwischen sie gedrängt hatte, beugte sich über sie. Auch die anderen Frauen kamen jetzt näher und Jake wurde noch weiter von Neytiri fortgedrängt. Zuerst wollte er näher ran, doch die Männer zogen ihn weg. “Es ist gut so, Jake-Sully! Lass sie ihre Arbeit tun. Eywa wird über sie wachen”, sagte Tsu´tey und widerwillig blieb Jake da, wo er stand.

Irgendwie dauerte ihm das alles zu lange. Allerdings war er auch noch nie bei einer Geburt dabei gewesen und es kam ja noch dazu, dass es SEIN Kind war, dass da geboren wurde. Seine innere Anspannung stieg. Er konnte Neytiri durch die ganzen Frauenkörper, die um sie herum standen, kaum noch erkennen, geschweige denn, dass er wusste, wieweit sie waren. Alles, was er registrierte, war ihr Keuchen und das Summen und Singen der Frauen. Tsu´tey hatte mittlerweile seine Hand auf Jakes Schulter gelegt - wohl zur Beruhigung - und so harrte dieser schließlich der Dinge, die da folgen würden.

Und schließlich war es soweit. Erneut hörte Jake einen von Neytiri ausgestoßenen Schrei - und danach folgte noch ein zweiter Ton, den Jake eindeutig als Babygeschrei wahr nahm. Nun hielt ihn nichts mehr. Er stürzte nach vorne und die Medizinfrauen machten ihm bereitwillig Platz. Schließlich stand Jake neben Neytiri und konnte endlich einen Blick auf sie und sein neugeborenes Baby werfen. Es war das schönste, kleine Wesen, das er jemals gesehen hatte. Sein blauer Körper war etwas heller als er es von sich selbst oder den anderen Omaticaya gewöhnt war - oder bildete er sich das nur ein? Nein, es war tatsächlich so. Jake nahm sich vor zu fragen, ob das normal war, so genau hatte er bei anderen Kleinkindern noch nie nachgesehen und er war ja auch bis jetzt noch nie bei einer Geburt dabei gewesen.. Jedenfalls hatte das Kleine winzige Ohren… Jake beugte sich zu Neytiri herunter und küsste sie zärtlich. Diese lächelte. In ihren Augen stand Mutterglück. Und Stolz. Jake streichelte über den Körper des Kleinen Wesens, das auf Neytiris Körper gelegt worden war. Er strich über die Ohren, die ihm irgendwie sofort ins Auge gestochen waren - und das Kleine stieß ein glucksendes Geräusch aus. Es hörte sich an wie ein Lachen…

Auch Neytiri lachte und dann entblößte sie ihre Brust und legte das Kleine Wesen an diese heran. Jake sah fasziniert zu, wie es anfing zu trinken. Ja, das hier war das wunderschönste und wunderbarste Geschöpf auf Eywas Planeten. Während er lächelnd und vor Glückseligkeit schwelgend Neytiri zusah wie sie das Kleine stillte, fiel ihm ein, dass er ja noch immer nicht wusste, was es nun eigentlich war… So ganz erkennen konnte er es nicht.. Er wollte gerade fragen, als Neytiri ihn ansah. In ihren Augen funkelte es, als sie sprach. Es war beinahe so, als ob eine telepathische Verbindung zwischen ihnen bestehen würde, denn sie beantwortete seine unausgesprochene Frage: “Es ist ein Mädchen, Jake”. Jakes Herz machte einen Hüpfer. Er wusste nicht, warum, aber tief in sich drin hatte er es sich gewünscht, dass es ein Mädchen sein sollte. Weder er noch Neytiri hatten sich bis jetzt Gedanken über Namen gemacht, oder zumindest hatten sie nicht darüber gesprochen. Doch nun kam ihm spontan einer in den Sinn und mit einem liebevollen Blick auf die Kleine sagte er leise: “Samara”…

Neytiri lächelte, dann nickte sie. “Ja, “Samara“. Das ist ein sehr schöner Name, Jake. Herzlich Willkommen auf der Welt, Samara…” Und als hätte diese es verstanden, begann sie, zu brüllen - so, als wollte sie ihr Dasein in die Welt hinaus schreien. Nach Pandora… Jake und Neytiri lachten und küssten sich. Sie waren selig…

About Me

Christal, 31
Traumland