6. Kapitel - die Tscha'lar

Sie hatten alles beobachtet. Still und unbemerkt von allen hatten sie sich angeschlichen und warteten. Warteten, bis die Krieger und Kriegerinnen der Omaticaya verschwunden waren. Keiner von ihnen hatte bemerkt, dass sie da waren; und nun gab es nur noch alte Männer und Frauen, Schwache, Kranke - und die Kinder…

Erstere waren uninteressant. Sie wurden nicht gebraucht; doch die Kinder waren etwas anderes. Alles, was ihnen nützlich sein könnte; ältere, kräftige Bälger fremder Stämme, die dazu gedrillt werden konnten, später für sie zu kämpfen - auf ihrer Seite. Natürlich ging das nicht freiwillig, daher mussten sie nachhelfen. Doch sie wussten, wie es anzustellen war. Sie hatten ihre Leute dafür..
Davon abgesehen waren natürlich auch junge Frauen nicht uninteressant. Sie wählten sich aus jedem Dorf einige aus um ihren Stamm zu erweitern - und ihren Spaß mit ihnen zu haben.

Leider waren sie bei dem Angriff auf das vorige Dorf nichts fruchtbares heraus gekommen. Das Dorf war zu klein und die Kinder waren nicht in dem richtigen Alter um etwas mit ihnen anfangen zu können. Ansonsten gab es nur alte und schwache Bewohner, mit denen es sich nicht einmal gelohnt hatte, zu kämpfen. Sie hatten mit dem Dorf kurzen Prozess gemacht. Doch einen Mann hatten sie entkommen lassen um ihn unbemerkt beobachten zu können. Er war in ein nicht weit entferntes Dorf geflüchtet - und da sah es schon sehr viel besser aus. Das, was ihnen ihr Beobachter mitgeteilt hatte, war wirklich sehr viel versprechend gewesen.. Das Dorf war größer, und natürlich hatten auch sie bereits von dem Kriegerstamm gehört: Die Omaticaya, die gegen die Himmelsmenschen bestanden hatten…

Und nun waren sie bereit, auch dieses Dorf einzunehmen. Sie mussten nur auf den geeigneten Augenblick warten, und dieser war nun gekommen. Sie sahen, wie die Krieger sich bereit machten, das Dorf zu verlassen um ihre Ikrans zu holen um zum Nachbardorf hinüber zu fliegen, dann warteten sie noch einige Minuten - und dann griffen sie an.

Die Omaticaya hatten keine Chance. Ihre Krieger waren fort und der Angriff kam dermaßen überraschend, dass keiner von ihnen auch nur im Entferntesten damit gerechnet hatte. Die ersten fielen nach wenigen Sekunden. Einige der noch im Dorf verbliebenen Männer waren so geistesgegenwärtig, sich zu bewaffnen und gegen die Eindringlinge vorzugehen, doch diese waren eindeutig in der Überzahl. Die Männer wurden durchlöchert und zudem mit Giftpfeilen beschossen. Einige schafften es noch, den Frauen Warnungen zuzurufen, doch dann wurden auch diese getötet.

Die Frauen hatten die Warnrufe gehört und stoben aus ihren Hütten. Sie konnten kaum fassen, was sie sahen: ein feindlicher Stamm griff ihr Dorf an und tötete ihre Männer? Auch sie griffen zu den Waffen, obwohl es sich bei diesen Frauen nicht um Kriegerinnen handelte; doch natürlich besaßen auch sie die Kunst der Verteidigung und des Angriffes, um wenn es nötig war, zu kämpfen. Doch sie kamen nicht einmal dazu, die Waffen einzusetzen.
Die Tscha´lar waren schneller. Einige der Frauen wurden sofort getötet, aber andere nur mit Schwertern unschädlich gemacht. Einer der Männer löste sich von den anderen und ging zu den Frauen hinüber. Er zeigte auf einige von ihnen, die verletzt und regungslos am Boden lagen und sagte etwas zu seinen Männern. Diese nickten und griffen sich die Frauen, die sich noch versuchten zu wehren; doch es hatte keinen Sinn. Sie wurden mitgeschleift…

Plötzlich trat eine wie wild fuchtelnde und kreischende Frau aus einem der Strohhütten. Sie war bewaffnet und schoss einen Pfeil auf den Anführer ab. Dieser wurde am Arm gestreift. Wutentbrannt wandte er sich zu der Frau ab, die bereits neu ansetzte um ihn mit dem nächsten Pfeil zu töten. Seine Männer wollten sie ausschalten, doch er gab ihnen das Zeichen zu warten. Nein, die wollte er selbst erledigen.. Und bevor er sie umbrachte, wollte er noch seinen Spaß mit ihr haben. Er bleckte die Zähne und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
Bevor sie dazu kam, den Pfeil abzuschießen, hatte er bereits auf sie gezielt - doch so, dass es sie nicht umbrachte. Er hatte einen Pfeil in das dazugehörige Gift getaucht, doch nur soviel, dass es einen Na´vi nicht umbrachte. Diesen schoss er auf die Frau ab, die zusammen sackte.

Er gab seinen Kriegern noch Befehle, die daraufhin geschlossen abzogen, dann kniete er sich zu der Frau. Was dann folgte, war für ihn das reinste Vergnügen. Die Frau hatte keine Chance, ihm zu entkommen. Ihr Blick verriet alles. Sie wünschte sich zu sterben, doch den Gefallen tat er ihr nicht - noch nicht…
Die Frau, um die es sich handelte, war Tsu´teys Ehefrau…

Die Krieger, die von ihrem Anführer fortgeschickt worden waren, machten mit ihrem Feldzug weiter. Sie töteten Alte, Schwache und Kranke und griffen sich nebenbei auch einige Frauen.

Dann kamen die Jungen und Mädchen des Stammes aus ihren Verstecken. Allen voran ein etwa 16-jähriges Mädchen, das versuchte, zu der Frau zu gelangen, der sich ihr Anführer gerade widmete; auch sie versuchte, ihn mit ihren Pfeilen zu töten. Einer der Krieger war schneller. Er schoss einen Pfeil ab, allerdings keinen giftigen, und das Mädchen sackte getroffen zu Boden. Es war nur eine kleine Wunde, nichts Lebensbedrohliches, aber es reichte, um sie außer Gefecht zu setzen. Der Krieger schnappte sie sich und dann hatten sie leichtes Spiel, auch einige der anderen, etwas älteren Jungen und Mädchen, in ihre Gewalt zu bringen.
Der Krieger gab den anderen den Befehl zum Rückzug. Sie hatten genug Beute gemacht für einen Tag; nun wurde es Zeit, bevor die Krieger des Clans zurück kehrten. Denn, dass es nicht mehr lange dauern würde, konnten sie sich denken. Und dann sollten sie besser fort sein, denn gegen die Krieger der Omaticaya hätten sie in ihrer jetzigen Anzahl vermutlich keine Chance. Dazu bräuchten sie Verstärkung.

Doch bevor sie sich verzogen, mussten sie noch eines erledigen: Das Lazarett. Kranke konnte doch kein Stamm wirklich gebrauchen. Die Tscha´lar liefen zum Lazarett. Die Medizinfrauen hatten sich verbarrikadiert. Sie waren schutzlos, da keine von ihnen eine Ahnung hatte, wie man kämpfte und die meisten Männer und Frauen, nachdem sie bemerkt hatten, was los war, von ihnen abgezogen waren um einzugreifen.

Sie hatten das Tor zum Lazarett verschlossen und hofften so, dass niemand hinein kam; zusätzlich schützten sie die Tür noch mit ihren Körpern. Doch so kamen sie natürlich auch nicht mehr hinaus… Doch sie waren der Meinung, dass dies auch nicht nötig sein würde. In der Hoffnung, einigermaßen sicher zu sein, harrten sie der Dinge die da kommen sollten. Und es dauerte nicht lange, da merkten sie, dass sie in der Falle saßen…

Die Tscha´lar hatten das Lazarett schnell entdeckt und auch bemerkt, dass es verschlossen war. Sie grinsten. Das würde ihnen auch nichts nutzen, bei den Plänen, die sie hatten. Sie suchten in der Umgebung einen Ast oder ähnliches, mit dem sie die Tür auch von außen verriegeln konnten, schließlich hatten sie etwas passendes gefunden, und taten genau dies. Nun war die Tür verschlossen und die Frauen innen hatten keine Chance, hinaus zu gelangen.

Es sollte ein langsamer und qualvoller Tod werden. Daher schufen die Krieger noch eine Art Gang, der zu dem Lazarett führte, aus Holz und anderen brennbaren Materialien. Allerdings suchten sie sich Holz aus, das nicht ganz so leicht brennbar war, damit es einen Sinn erfüllte. Als sie fertig waren, zündete einer von ihnen das Ende des Ganges an - und das Feuer begann, langsam, sehr langsam, zu zünden. Es war beinahe wie eine sich windende Schlange, die sich kriechend immer näher an ihr Opfer heran schlich. Doch was noch schlimmer als das Feuer war, war der Rauch, und dieser hatte es eilig, in das Lazarett einzudringen. Bald hörten die Tscha´lar die Frauen husten. Und ihre Panikschreie, als sie merkten, dass sie auch von außen eingeschlossen waren. Es gab kein Entrinnen mehr für sie - weder für die Medizinfrauen noch für die Kranken, unter denen auch Samara war…

Schließlich war der Zeit des Aufbruchs gekommen. Auch der Anführer hatte von seinem Opfer abgelassen und ließ sie dort, wo sie war. Sie war verbraucht und selbst, wenn sie überleben würde, was er bezweifelt, war sie entehrt. Der Mann dieser Frau würde wohl kaum noch etwas für sie empfinden. Allerdings ahnte er nicht, wen er sich da zum Feind gemacht hatte, und was dies noch für Auswirkungen für ihn und seinen Stamm haben würde. Jetzt hatte er jedenfalls genug und sie hatten fette Beute gemacht.

Einige Frauen, für später und einige der Kinder unter ihnen das Mädchen, das versucht hatte, der Frau zu helfen; eventuell war es deren Tochter? Sie wussten es nicht, aber diese hatte großen Mut bewiesen. Sie konnte bestimmt noch wichtig für sie sein. Allerdings ahnten sie, dass sie es nicht leicht mit ihr haben würden; doch bis jetzt hatten sie noch jedes Kind geknackt.
Und so entfernten sie sich, mit ihrer lebenden Beute im Gepäck. Gerade rechtzeitig, denn Jake, Tsu´tey und die anderen waren bereits auf dem Rückweg…

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Christal, 31
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