4. Kapitel - fremde Gedanken
Schließlich waren sie am Lager angekommen und der erste Weg führte sie ins Lazarett, so wie Tsu´tey es ihnen gesagt hatte. Solange Jake, während des Fluges, seine Tochter in seinen Händen hielt, dachte er an gar nichts. Sein Hirn war wie leergefegt. Er starrte einfach nur auf Samara und Neytiri, die neben ihm flog, erging es nicht anders. Als sie schließlich am Ziel waren, stieg Jake vom Ikran und stieß jeden zur Seite, der ihm zu Hilfe eilen wollte. Die Medizinfrauen waren bereits informiert worden, dass etwas Schreckliches geschehen war und sie wollten sich um das Mädchen kümmern, doch solange sie noch nicht in der Lazaretthütte waren, gab Jake sie nicht frei. Doch schließlich waren sie da und Jake legte sie behutsam und vorsichtig auf eines der Feldbetten, die dort aufgestellt waren. Im Moment war die Hütte leer, und das beruhigte ihn ein wenig. So war definitiv gewährleistet, dass die Medizinfrauen sich wirklich nur um seine Tochter kümmern konnten. Doch er starrte immer noch auf Samara. Gab es Hoffnung?
Während er starr vor Angst und Entsetzen neben dem Bett stand und seinen Blick nicht von Samara lassen konnte, hatte sich eine der Medizinfrauen neben ihn gestellt und schob ihn sanft zur Seite. Auch Neytiri war zu ihm getreten und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Komm Jake, die Frauen tun alles, was sie können! Gehen wir um ihr Seelenheil bitten.” “Geh schon mal vor, ich komme gleich nach. Ich kann noch nicht fortgehen..” Neytiri sah ihm kurz in die Augen, dann nickte sie und verließ den Raum. Jake wusste, wohin sie gehen würde. Zum Baum der Seelen, zu Eywa. Er würde ihr folgen, doch noch konnte er es nicht. Er musste hier bleiben, um zu hören, was die Medizinfrauen sagten. Ob sie Samara helfen konnten.
Jake stand etwas im Abseits und beobachtete, wie sich eines der Frauen zu Samara herunter beugte. Die anderen Frauen standen um sie herum und begannen, eine nach der anderen einen Summton anzustimmen. Es war eine Art von Gebet, mit dem sie Eywa um Kraft anflehten. Kraft für das Überleben des Mädchens. Jake schluckte. Er sah, wie die Medizinfrau Samaras, von Jake behelfsmäßig angelegten, Verband abnahm - ihre Wunde am Kopf blutete immer noch - und einen neuen, aus Heilblättern bestehenden Verband anlegte. Diesen hatte sie zuvor mit einer Heiltinktur durchtränkt. Dann flößte sie Samara eine Flüssigkeit ein, die ihr Kraft geben sollte. Die Flüssigkeit bestand aus verschiedenen Pflanzensäften. Ihr gebrochener, rechter Arm wurde von ihr mit Hilfe eines Stockes und eines starken Tuches geschient und damit ruhig gestellt. Zum Schluss rieb sie Samaras Körper mit einer selbst hergestellten Körpercreme ein, die schnell in die Haut einzog. Jake hatte keine Ahnung, wozu das ganze alles gut sein sollte. Er hatte sich eigentlich noch nie so genau darum gekümmert, wie die Medizinfrauen hier arbeiteten; doch nun wurde er nervös. Er wollte schon fragen, als die Frau aufstand und sich Jake zuwandte: “Du kannst nun zu ihr; mehr kann ich nicht für sie tun, Jake-Sully. Ich werde mich jetzt dem Gebet anschließen..”
Jake schluckte, dann trat er zu Samara. Die Medizinfrau war auf die andere Seite zu den anderen Frauen gegangen und stimmte in ihr sonores Summen ein. Jake versuchte, den Ton aus seinem Kopf zu streichen. Er wollte sich nur auf seine Tochter konzentrieren. Langsam nahm er ihre linke Hand in seine. Sie war heiß. Jake sah an ihrem Gesicht, dass sie fieberte. Er sah die Medizinfrau an und fragte heiser: “Was hast du ihr da alles gegeben? Wofür war das alles?” Die Frau hielt kurz in ihrem Gebet inne und antwortete: “Das war Medizin gegen ihre inneren Dämonen, Jake-Sully. In ihrem Körper wüten viele Teufel, was man fühlen kann.” Sie meinte wohl die erhöhte Temperatur. Jake schluckte. “Und was war das für eine Paste, die du ihr gegeben hast?” fragte er erneut. Geduldig antwortete die Medizinfrau: “Das war ein Mittel, das die Temperatur senken wird. Sowohl die Paste als auch das Heilgetränk sind aus ausgesuchten Pflanzen hergestellt; sie haben schon viele Leben und Seelen gerettet. Vertrau mir, Jake-Sully.”
Jake sah sie nur an und antwortete nicht. Er hatte eigene Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen. Doch vorerst versuchte er sie zu verdrängen. Nun kniete er neben seiner Tochter und hielt deren Hand in seiner. Er fühlte sich so hilflos. Es war grauenhaft, einfach hier zu sitzen und nichts, rein gar nichts für sie tun zu können. Jake spürte Tsu´teys Blicke auf sich, der hinter ihm stand und ihn still beobachtete. Mittlerweile war auch Tanía dazugekommen. Er hörte sie leise weinen. Normalerweise wäre er auch zu ihr gekommen und hätte sie getröstet; Jake wusste, dass es an ihm gewesen wäre, ihr wenigstens ein paar liebe Worte zu sagen, um ihr die Schuldgefühle zu nehmen, die sie sicherlich quälten; doch das konnte er nicht. Auch, wenn er wusste, dass sie es nicht verdient hatte, es war nicht ihre Schuld, dennoch war er noch nicht soweit. Jake konnte sich nicht von Samara lösen und blieb einfach wo er war. Er nahm ihre Hand und küsste sie, dann strich er ihr leicht über ihr Gesicht. “Ich bin hier, Samara.. Bitte, wach auf.. Ich liebe dich über alles. Bitte, verlass mich nicht…” flüsterte er immer wieder, doch es half nicht. Neytiri hatte Recht gehabt: Samara war in tiefer Dunkelheit, und Jake hatte keine Ahnung, ob sie jemals wieder daraus erwachen würde. Alles, was ihn beruhigte, war die Tatsache, dass sie langsam aber immerhin stetig atmete. Ihr Brustkorb hob und senkte sich und er kam nicht umhin, immer wider auf ihn zu schauen, ob sich daran etwas änderte. Er konnte nur hoffen, dass dies nicht so war…
Mittlerweile waren Tsu´tey zusammen mit seiner Tochter ebenfalls zum Seelenbaum unterwegs. Auch sie hatten vor, für Samara zu beten. Jake hatte nicht einmal bemerkt, dass sie fort waren. In ihm hatten andere Gedanken Einzug gehalten; Gedanken, die er schon ewig nicht mehr gehabt hatte - um genau zu sein, die letzten 16 Jahre nicht mehr. Er dachte an sein früheres Leben zurück. Das Leben auf der Erde und, um genau zu sein, daran wie dort die medizinische Versorgung von Statten gegangen war. Seine Tochter hatte eine schwere Kopfverletzung. Jake musste sich eingestehen, dass er vorab nie groß über die Medizinfrauen und ihre heilerischen Fähigkeiten nachgedacht hatte, und mittlerweile hatte er es beinahe wie die Eingeborenen hier akzeptiert, wenn jemand starb. Dann war es eben so vorbestimmt gewesen, und Eywa hatte sich entschieden, die Seele zu sich zu rufen. Doch jetzt begann er, sich Gedanken zu machen; denn es ging hier schließlich um seine Tochter! Was war, wenn die ganzen medizinischen Fähigkeiten einfach nicht ausreichten? Er hatte genau beobachtet, was die Medizinfrau getan hatte, ein paar Tränke, Salben und ein Verband - das sollte ausreichen? Für DIESE Verletzungen? Jake hatte Samaras Kopfwunde gesehen und er zweifelte. Er wusste, was in seiner Welt bei so einer Verwundung getan worden wäre; man hätte sie sicherlich mit einem chirurgischem Eingriff behandelt. Und mit mehr als nur Heilpflanzen. Penizillin oder anderen Arten von Schmerzmitteln. War das, was die Frauen hier taten, tatsächlich ausreichend um seiner Tochter zu helfen?
Jake wusste es nicht. Doch was hatte er für eine Wahl? Im Grunde keine und ein wenig schämte er sich seiner Gedanken. Immerhin hatten auch genügend seiner Landsleute die heilsame Behandlung durch die Medizinfrauen überlebt und erfreuten sich bester Gesundheit. Jake blickte erneut zu Samara. Er war beinahe soweit, wieder an ihre Genesung zu glauben, doch dann sah er wieder den Verband an ihrem Kopf. Die Blutung hatte nicht aufgehört und Jake wusste, dass die Kopfverletzung die Schwerste von allen war. Und er wusste auch, dass sie Nachwirkungen nach sich ziehen könnte, auch, wenn Samara es überleben würde.
Während er noch nachdachte, kam die Medizinfrau zu ihm - die anderen Frauen summten immer noch die monotone Melodie - und wechselte den Kopfverband erneut. Jake konnte erkennen, dass der alte Verband, der aus Pflanzenblättern bestand, blutgetränkt war. Jake entfuhr ein Keuchen, und er musste sich kurzfristig weg drehen. Die Frau sagte nichts, sondern ging, nachdem sie den Verband erneut gewechselt hatte, einfach nur in ihre Reihe zurück um mit dem Gesang fortzufahren.
Jake kniete neben Samara und hielt ihre Hand in seiner. Trotz seiner Bedenken hatte er Hoffnung. Er durfte die Hoffnung nicht aufgeben; denn wenn er das tat, war alles verloren. Er wusste, dass die Frauen alles in ihrer Macht stehende tun würden und er konnte einfach nur hoffen, dass ihre Macht ausreichen würde. Und dann fiel Jake ein, was er im Grunde Eywa, der Göttlichen Macht dieser Welt, zu verdanken hatte. Er war ein Teil dieser Welt, ein Eingeborener Pandoras; Eywa hatte ihn zu einem Na´vi gemacht. Es gab sie wirklich, die Macht Eywas. Und jetzt würde auch er alles daran setzen, sie zu bitten, seine Tochter bei ihm und Neytiri zu lassen, anstatt sie zu sich zu rufen. Er würde ebenfalls zum Baum der Seelen gehen. Jake wusste, dass Neytiri noch dort war und vermutlich auf ihn wartete.
Langsam stand er auf und küsste Samara sanft auf die Stirn. Sie war immer noch heiß; er hatte sogar das Gefühl, dass sie noch heißer geworden war… Das Fieber stieg und Jakes Panik ebenfalls. Doch er musste versuchen, sich zu beherrschen. Hier gab es keine medizinische Versorgung; kein Penizillin oder andere Mittel. Die Zeiten waren vorbei und er musste einfach hoffen, dass Samara stark genug war, die Verletzungen zu besiegen. Die “Dämonen”, wie die Frauen es nannten.. Jake strich noch einmal mit seiner Hand über ihr Gesicht, dann küsste er ihre Hand. “Ich liebe dich über alles!” flüsterte er ihr ins Ohr und dann sagte er, an die Frauen gewandt: “Ich komme bald wieder - wacht über sie!”. Die Medizinfrau, die sich um ihre Verletzungen gekümmert hatte, nickte nur. Sie ahnte, wohin es Jake zog. Jake erwiderte nichts; er zog langsam seine Hand aus Samaras und ging aus der Hütte heraus. Sein Gang war schwer, doch er schaute nicht zurück.
Erst als er draußen war, atmete er langsam aus und sog die Luft ein, die seine Lungen füllte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Tsu´tey und Tanía fehlten, und er ahnte wo sie sein könnten. Auch ihn zog es dorthin. Jake begann, langsam in die Richtung des Seelenbaumes zu gehen, nach einigen Meilen wurde er schneller. Schließlich war er angekommen. Er konnte von weitem die weißen hängenden Stränge des Seelenbaumes sehen. Und Neytiri, die dort kniete; in Verbindung mit Eywa. Jake schluckte. Er konnte ihre Verzweiflung spüren. Ihm ging es schlecht, doch er konnte sich vermutlich nicht einmal vorstellen, wie es um Neytiris Seelenheil stand. Seine Frau stand in geistiger Verbindung mit ihrer Tochter und nun war diese unterbrochen. Ob dies nur von kurzfristiger Dauer war, oder ein längerfristiger Zustand, wusste er nicht; aber die Vorstellung, dass es von Dauer sein könnte, war unerträglich für ihn, denn dafür gäbe es nur einen Grund. Und diesen konnte und wollte Jake sich nicht eingestehen. Langsam ging auch er zu einem der Stränge und kniete sich nieder. Er stellte ebenfalls eine Verbindung zu dem Seelenbaum her und schloss seine Augen. Dann begann er zu beten…
Was Jake nicht bemerkt hatte, beziehungsweise wofür ihm momentan die Aufmerksamkeit fehlte war, dass weder Tsu´tey noch Tanía bei ihnen waren. Am Baum waren nur Neytiri und er, eingeschlossen in ihre Gebete und ihre eigenen Gedanken, die nur um ihre Tochter kreisten. Tsu´tey und die anderen hatte anderes zu tun. Zuerst waren auch sie zum Baum gegangen; als sie bemerkt hatten, dass sie nichts weiter für Samara tun konnten und Jake nicht stören wollten. Sie hatten ebenfalls ihre Gebete für das Mädchen abgegeben und hofften, dass Eywa sie erhören möge; doch dann wusste Tsu´tey, dass sie etwas anderes tun mussten. Sie mussten noch einmal nach Spuren suchen. Etwas finden, was sie auf die Spur dieses Stammes bringen würde, der die Mädchen angegriffen und Samara schwer verletzt hatte. Das war eine Kriegserklärung gewesen!
Und Tsu´tey hatte vor, sich den Ikran noch einmal anzusehen. Als sie auf der Suche nach Samara gewesen waren und das Tier gefunden hatten, hatte er bemerkt, dass es Pfeile im Körper hatte. Giftpfeile, um genau zu sein. Tanía hatte ihnen erzählt, dass sie beschossen worden waren. Also kämpften die Feinde mit Gift. Tsu´tey hatte vor, noch einmal in die Gegend zu fliegen und mit einigen ausgewählten Kriegern nach weiteren Spuren zu suchen. Vielleicht wähnten sich die Feinde jetzt in Sicherheit und waren zurück gekehrt? Neytiri war in stillem Gebet und Jake war zu dieser Zeit noch bei Samara, daher wollte keiner von ihnen sie stören.
So gingen die Krieger ihrem Plan nach und suchten noch einmal das Gebiet ab, doch leider ohne Erfolg. Wenn es Spuren gegeben hatte, dann waren die Feinde noch besser in der Lage, sie zu verwischen, als sie selbst. Gefrustet kehrten Tsu´tey und die anderen nach einer ganzen Weile ins Lager zurück. Sie würden nicht aufgeben. Wenn es an dieser Stelle zu keinem Erfolg führte, dann würden sie ihre Suche eben weiter ausführen. In die Nachbardörfer, wenn es sein musste. Tsu´tey wollte gerade mit den anderen Männern darüber sprechen, als sie einen lauten, schrillen Alarmschrei vernahmen. Das Geräusch kam aus dem Wald und Tsu´tey und die anderen nahmen ihre Waffen in die Hand. Sie erkannten einen jungen Mann, der auf sie zugelaufen kam. Er machte eindeutige Armbewegungen - Bitte um Hilfe.
Tsu´tey nahm die Waffen herunter und zeigte den Männern an, dies ebenfalls zu tun. Sie warteten, bis der Fremde bei ihnen war und Tsu´tey konnte ihn nun genau aus der Nähe sehen. Er sah furchtbar aus. Der Mann sank vor Tsu´tey auf die Knie, man konnte ihm seine Erschöpfung und Verzweiflung ansehen. Tsu´tey kniete sich vor ihn und sah ihm ins Gesicht. “Wer bist du und was ist geschehen? Rede!” Der Mann sah zu Boden. In seinen Augen standen Tränen, als er schließlich anfing zu reden: “Unser Dorf wurde angegriffen! Wir konnten nichts dagegen tun! Es waren Fremde. Sie kamen in unser Dorf einmarschiert, haben uns mit Giftpfeilen angegriffen und alle ausgelöscht.. Sie sind alle tot…”
Zuerst war es still um sie herum. Tsu´tey schluckte. “Wie viele waren es?” fragte er schließlich, sichtlich um Fassung bemüht. “Es waren nicht viele; aber ihr Angriff war unvorbereitet und erfolgte so schnell, dass wir nicht einmal die Zeit hatten unsere Krieger auszusenden. Wie haben alles versucht, aber sie waren einfach stärker..” “Und alle aus deinem Dorf sind getötet worden? Wirklich alle?” Der Fremde sah ihm ins Gesicht: “Ja, ich bin der einzige Überlebende.. Unser Dorf war nicht groß; sie haben alle ausgelöscht.. Ich weiß nicht mal, wie ich entkommen konnte - ich bin einfach nur geflohen; ich weiß es nicht…” Mehr war nicht aus ihm heraus zu bekommen, denn er brach zusammen. Tsu´tey und die anderen kümmerten sich um ihn und brachten ihn ebenfalls in das Lazaretthaus. Natürlich kümmerten sich die anderen Medizinfrauen um ihn; er war nicht verletzt, nur erschöpft.
Tsu´tey stand zuerst einfach nur da, doch dann wusste er, was zu tun war. Sie mussten in das Dorf, um sich dort nach Spuren umzusehen. Doch zuvor musste er noch etwas erledigen. Tsu´tey sagte den anderen Kriegern bescheid, dass sie sich versammeln und ihre Ikrans bereit halten sollten. Er würde ihnen folgen. Doch zuerst musste er Jake und Neytiri Bescheid geben. Sie mussten in ihre Pläne eingeweiht werden und bei ihren weiteren Aktionen dabei sein.
Jake und Neytiri saßen immer noch in sich versunken und mit dem Seelenbaum verbunden da und keiner von ihnen bemerkte die Welt um sich herum, als Jake eine Hand auf seiner Schulter spürte. Langsam wachte er aus seiner Art Trance, in die er gesunken war, auf und sah sich um. Hinter ihm stand Tsu´tey und sah ihn mit einem bedrückten Gesichtsausdruck an. “Tut mir Leid Jake, dass ich dich stören muss, aber es ist etwas geschehen.” “Was? Ist etwas mit Samara? Ist sie..” Jake dachte bereits an das Schlimmste und auch Neytiri hatte sich zu ihnen gestellt. Sie hatte bemerkt, dass etwas um sie herum geschehen war und hatte die Verbindung zu Eywa gelöst. “Nein, es geht nicht um Samara; über ihren Zustand weiß ich nichts neues. Aber vor einigen Minuten ist ein Fremder aus einem Nachbardorf zu uns gekommen; er sagte, er war der einzige Überlebende eines Angriffes auf sein Dorf. Vermutlich von dem selben Stamm, der die Mädchen angegriffen hat. Sie haben sein ganzes Dorf ausgelöscht und alle getötet; bis auf ihn. Er konnte entkommen, auch, wenn er selber nicht weiß, wie… Wir wollen uns das Dorf anschauen um Spuren zu sammeln. Die anderen sind schon bei ihren Ikrans. Ich wollte euch Bescheid geben, denn ich denke, ihr wollt dabei sein…” Weiter brauchte er nicht zu reden. Jake und Neytiri nickten. Natürlich wollten sie dabei sein. Jake hatte genug gebetet, und auch Neytiri hatte getan, was sie nur konnte. Jetzt mussten sie abwarten, der Rest lag in Eywas Hand. Jake löste sich von seinem Strang und dann rannten sie zusammen mit Tsu´tey zu den anderen, die bereits ihre Ikrans zu sich gerufen hatten. Dasselbe taten sie auch und ohne weitere Verzögerung flogen sie auf das Dorf zu. Was würde sie dort erwarten?…
Während er starr vor Angst und Entsetzen neben dem Bett stand und seinen Blick nicht von Samara lassen konnte, hatte sich eine der Medizinfrauen neben ihn gestellt und schob ihn sanft zur Seite. Auch Neytiri war zu ihm getreten und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Komm Jake, die Frauen tun alles, was sie können! Gehen wir um ihr Seelenheil bitten.” “Geh schon mal vor, ich komme gleich nach. Ich kann noch nicht fortgehen..” Neytiri sah ihm kurz in die Augen, dann nickte sie und verließ den Raum. Jake wusste, wohin sie gehen würde. Zum Baum der Seelen, zu Eywa. Er würde ihr folgen, doch noch konnte er es nicht. Er musste hier bleiben, um zu hören, was die Medizinfrauen sagten. Ob sie Samara helfen konnten.
Jake stand etwas im Abseits und beobachtete, wie sich eines der Frauen zu Samara herunter beugte. Die anderen Frauen standen um sie herum und begannen, eine nach der anderen einen Summton anzustimmen. Es war eine Art von Gebet, mit dem sie Eywa um Kraft anflehten. Kraft für das Überleben des Mädchens. Jake schluckte. Er sah, wie die Medizinfrau Samaras, von Jake behelfsmäßig angelegten, Verband abnahm - ihre Wunde am Kopf blutete immer noch - und einen neuen, aus Heilblättern bestehenden Verband anlegte. Diesen hatte sie zuvor mit einer Heiltinktur durchtränkt. Dann flößte sie Samara eine Flüssigkeit ein, die ihr Kraft geben sollte. Die Flüssigkeit bestand aus verschiedenen Pflanzensäften. Ihr gebrochener, rechter Arm wurde von ihr mit Hilfe eines Stockes und eines starken Tuches geschient und damit ruhig gestellt. Zum Schluss rieb sie Samaras Körper mit einer selbst hergestellten Körpercreme ein, die schnell in die Haut einzog. Jake hatte keine Ahnung, wozu das ganze alles gut sein sollte. Er hatte sich eigentlich noch nie so genau darum gekümmert, wie die Medizinfrauen hier arbeiteten; doch nun wurde er nervös. Er wollte schon fragen, als die Frau aufstand und sich Jake zuwandte: “Du kannst nun zu ihr; mehr kann ich nicht für sie tun, Jake-Sully. Ich werde mich jetzt dem Gebet anschließen..”
Jake schluckte, dann trat er zu Samara. Die Medizinfrau war auf die andere Seite zu den anderen Frauen gegangen und stimmte in ihr sonores Summen ein. Jake versuchte, den Ton aus seinem Kopf zu streichen. Er wollte sich nur auf seine Tochter konzentrieren. Langsam nahm er ihre linke Hand in seine. Sie war heiß. Jake sah an ihrem Gesicht, dass sie fieberte. Er sah die Medizinfrau an und fragte heiser: “Was hast du ihr da alles gegeben? Wofür war das alles?” Die Frau hielt kurz in ihrem Gebet inne und antwortete: “Das war Medizin gegen ihre inneren Dämonen, Jake-Sully. In ihrem Körper wüten viele Teufel, was man fühlen kann.” Sie meinte wohl die erhöhte Temperatur. Jake schluckte. “Und was war das für eine Paste, die du ihr gegeben hast?” fragte er erneut. Geduldig antwortete die Medizinfrau: “Das war ein Mittel, das die Temperatur senken wird. Sowohl die Paste als auch das Heilgetränk sind aus ausgesuchten Pflanzen hergestellt; sie haben schon viele Leben und Seelen gerettet. Vertrau mir, Jake-Sully.”
Jake sah sie nur an und antwortete nicht. Er hatte eigene Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen. Doch vorerst versuchte er sie zu verdrängen. Nun kniete er neben seiner Tochter und hielt deren Hand in seiner. Er fühlte sich so hilflos. Es war grauenhaft, einfach hier zu sitzen und nichts, rein gar nichts für sie tun zu können. Jake spürte Tsu´teys Blicke auf sich, der hinter ihm stand und ihn still beobachtete. Mittlerweile war auch Tanía dazugekommen. Er hörte sie leise weinen. Normalerweise wäre er auch zu ihr gekommen und hätte sie getröstet; Jake wusste, dass es an ihm gewesen wäre, ihr wenigstens ein paar liebe Worte zu sagen, um ihr die Schuldgefühle zu nehmen, die sie sicherlich quälten; doch das konnte er nicht. Auch, wenn er wusste, dass sie es nicht verdient hatte, es war nicht ihre Schuld, dennoch war er noch nicht soweit. Jake konnte sich nicht von Samara lösen und blieb einfach wo er war. Er nahm ihre Hand und küsste sie, dann strich er ihr leicht über ihr Gesicht. “Ich bin hier, Samara.. Bitte, wach auf.. Ich liebe dich über alles. Bitte, verlass mich nicht…” flüsterte er immer wieder, doch es half nicht. Neytiri hatte Recht gehabt: Samara war in tiefer Dunkelheit, und Jake hatte keine Ahnung, ob sie jemals wieder daraus erwachen würde. Alles, was ihn beruhigte, war die Tatsache, dass sie langsam aber immerhin stetig atmete. Ihr Brustkorb hob und senkte sich und er kam nicht umhin, immer wider auf ihn zu schauen, ob sich daran etwas änderte. Er konnte nur hoffen, dass dies nicht so war…
Mittlerweile waren Tsu´tey zusammen mit seiner Tochter ebenfalls zum Seelenbaum unterwegs. Auch sie hatten vor, für Samara zu beten. Jake hatte nicht einmal bemerkt, dass sie fort waren. In ihm hatten andere Gedanken Einzug gehalten; Gedanken, die er schon ewig nicht mehr gehabt hatte - um genau zu sein, die letzten 16 Jahre nicht mehr. Er dachte an sein früheres Leben zurück. Das Leben auf der Erde und, um genau zu sein, daran wie dort die medizinische Versorgung von Statten gegangen war. Seine Tochter hatte eine schwere Kopfverletzung. Jake musste sich eingestehen, dass er vorab nie groß über die Medizinfrauen und ihre heilerischen Fähigkeiten nachgedacht hatte, und mittlerweile hatte er es beinahe wie die Eingeborenen hier akzeptiert, wenn jemand starb. Dann war es eben so vorbestimmt gewesen, und Eywa hatte sich entschieden, die Seele zu sich zu rufen. Doch jetzt begann er, sich Gedanken zu machen; denn es ging hier schließlich um seine Tochter! Was war, wenn die ganzen medizinischen Fähigkeiten einfach nicht ausreichten? Er hatte genau beobachtet, was die Medizinfrau getan hatte, ein paar Tränke, Salben und ein Verband - das sollte ausreichen? Für DIESE Verletzungen? Jake hatte Samaras Kopfwunde gesehen und er zweifelte. Er wusste, was in seiner Welt bei so einer Verwundung getan worden wäre; man hätte sie sicherlich mit einem chirurgischem Eingriff behandelt. Und mit mehr als nur Heilpflanzen. Penizillin oder anderen Arten von Schmerzmitteln. War das, was die Frauen hier taten, tatsächlich ausreichend um seiner Tochter zu helfen?
Jake wusste es nicht. Doch was hatte er für eine Wahl? Im Grunde keine und ein wenig schämte er sich seiner Gedanken. Immerhin hatten auch genügend seiner Landsleute die heilsame Behandlung durch die Medizinfrauen überlebt und erfreuten sich bester Gesundheit. Jake blickte erneut zu Samara. Er war beinahe soweit, wieder an ihre Genesung zu glauben, doch dann sah er wieder den Verband an ihrem Kopf. Die Blutung hatte nicht aufgehört und Jake wusste, dass die Kopfverletzung die Schwerste von allen war. Und er wusste auch, dass sie Nachwirkungen nach sich ziehen könnte, auch, wenn Samara es überleben würde.
Während er noch nachdachte, kam die Medizinfrau zu ihm - die anderen Frauen summten immer noch die monotone Melodie - und wechselte den Kopfverband erneut. Jake konnte erkennen, dass der alte Verband, der aus Pflanzenblättern bestand, blutgetränkt war. Jake entfuhr ein Keuchen, und er musste sich kurzfristig weg drehen. Die Frau sagte nichts, sondern ging, nachdem sie den Verband erneut gewechselt hatte, einfach nur in ihre Reihe zurück um mit dem Gesang fortzufahren.
Jake kniete neben Samara und hielt ihre Hand in seiner. Trotz seiner Bedenken hatte er Hoffnung. Er durfte die Hoffnung nicht aufgeben; denn wenn er das tat, war alles verloren. Er wusste, dass die Frauen alles in ihrer Macht stehende tun würden und er konnte einfach nur hoffen, dass ihre Macht ausreichen würde. Und dann fiel Jake ein, was er im Grunde Eywa, der Göttlichen Macht dieser Welt, zu verdanken hatte. Er war ein Teil dieser Welt, ein Eingeborener Pandoras; Eywa hatte ihn zu einem Na´vi gemacht. Es gab sie wirklich, die Macht Eywas. Und jetzt würde auch er alles daran setzen, sie zu bitten, seine Tochter bei ihm und Neytiri zu lassen, anstatt sie zu sich zu rufen. Er würde ebenfalls zum Baum der Seelen gehen. Jake wusste, dass Neytiri noch dort war und vermutlich auf ihn wartete.
Langsam stand er auf und küsste Samara sanft auf die Stirn. Sie war immer noch heiß; er hatte sogar das Gefühl, dass sie noch heißer geworden war… Das Fieber stieg und Jakes Panik ebenfalls. Doch er musste versuchen, sich zu beherrschen. Hier gab es keine medizinische Versorgung; kein Penizillin oder andere Mittel. Die Zeiten waren vorbei und er musste einfach hoffen, dass Samara stark genug war, die Verletzungen zu besiegen. Die “Dämonen”, wie die Frauen es nannten.. Jake strich noch einmal mit seiner Hand über ihr Gesicht, dann küsste er ihre Hand. “Ich liebe dich über alles!” flüsterte er ihr ins Ohr und dann sagte er, an die Frauen gewandt: “Ich komme bald wieder - wacht über sie!”. Die Medizinfrau, die sich um ihre Verletzungen gekümmert hatte, nickte nur. Sie ahnte, wohin es Jake zog. Jake erwiderte nichts; er zog langsam seine Hand aus Samaras und ging aus der Hütte heraus. Sein Gang war schwer, doch er schaute nicht zurück.
Erst als er draußen war, atmete er langsam aus und sog die Luft ein, die seine Lungen füllte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Tsu´tey und Tanía fehlten, und er ahnte wo sie sein könnten. Auch ihn zog es dorthin. Jake begann, langsam in die Richtung des Seelenbaumes zu gehen, nach einigen Meilen wurde er schneller. Schließlich war er angekommen. Er konnte von weitem die weißen hängenden Stränge des Seelenbaumes sehen. Und Neytiri, die dort kniete; in Verbindung mit Eywa. Jake schluckte. Er konnte ihre Verzweiflung spüren. Ihm ging es schlecht, doch er konnte sich vermutlich nicht einmal vorstellen, wie es um Neytiris Seelenheil stand. Seine Frau stand in geistiger Verbindung mit ihrer Tochter und nun war diese unterbrochen. Ob dies nur von kurzfristiger Dauer war, oder ein längerfristiger Zustand, wusste er nicht; aber die Vorstellung, dass es von Dauer sein könnte, war unerträglich für ihn, denn dafür gäbe es nur einen Grund. Und diesen konnte und wollte Jake sich nicht eingestehen. Langsam ging auch er zu einem der Stränge und kniete sich nieder. Er stellte ebenfalls eine Verbindung zu dem Seelenbaum her und schloss seine Augen. Dann begann er zu beten…
Was Jake nicht bemerkt hatte, beziehungsweise wofür ihm momentan die Aufmerksamkeit fehlte war, dass weder Tsu´tey noch Tanía bei ihnen waren. Am Baum waren nur Neytiri und er, eingeschlossen in ihre Gebete und ihre eigenen Gedanken, die nur um ihre Tochter kreisten. Tsu´tey und die anderen hatte anderes zu tun. Zuerst waren auch sie zum Baum gegangen; als sie bemerkt hatten, dass sie nichts weiter für Samara tun konnten und Jake nicht stören wollten. Sie hatten ebenfalls ihre Gebete für das Mädchen abgegeben und hofften, dass Eywa sie erhören möge; doch dann wusste Tsu´tey, dass sie etwas anderes tun mussten. Sie mussten noch einmal nach Spuren suchen. Etwas finden, was sie auf die Spur dieses Stammes bringen würde, der die Mädchen angegriffen und Samara schwer verletzt hatte. Das war eine Kriegserklärung gewesen!
Und Tsu´tey hatte vor, sich den Ikran noch einmal anzusehen. Als sie auf der Suche nach Samara gewesen waren und das Tier gefunden hatten, hatte er bemerkt, dass es Pfeile im Körper hatte. Giftpfeile, um genau zu sein. Tanía hatte ihnen erzählt, dass sie beschossen worden waren. Also kämpften die Feinde mit Gift. Tsu´tey hatte vor, noch einmal in die Gegend zu fliegen und mit einigen ausgewählten Kriegern nach weiteren Spuren zu suchen. Vielleicht wähnten sich die Feinde jetzt in Sicherheit und waren zurück gekehrt? Neytiri war in stillem Gebet und Jake war zu dieser Zeit noch bei Samara, daher wollte keiner von ihnen sie stören.
So gingen die Krieger ihrem Plan nach und suchten noch einmal das Gebiet ab, doch leider ohne Erfolg. Wenn es Spuren gegeben hatte, dann waren die Feinde noch besser in der Lage, sie zu verwischen, als sie selbst. Gefrustet kehrten Tsu´tey und die anderen nach einer ganzen Weile ins Lager zurück. Sie würden nicht aufgeben. Wenn es an dieser Stelle zu keinem Erfolg führte, dann würden sie ihre Suche eben weiter ausführen. In die Nachbardörfer, wenn es sein musste. Tsu´tey wollte gerade mit den anderen Männern darüber sprechen, als sie einen lauten, schrillen Alarmschrei vernahmen. Das Geräusch kam aus dem Wald und Tsu´tey und die anderen nahmen ihre Waffen in die Hand. Sie erkannten einen jungen Mann, der auf sie zugelaufen kam. Er machte eindeutige Armbewegungen - Bitte um Hilfe.
Tsu´tey nahm die Waffen herunter und zeigte den Männern an, dies ebenfalls zu tun. Sie warteten, bis der Fremde bei ihnen war und Tsu´tey konnte ihn nun genau aus der Nähe sehen. Er sah furchtbar aus. Der Mann sank vor Tsu´tey auf die Knie, man konnte ihm seine Erschöpfung und Verzweiflung ansehen. Tsu´tey kniete sich vor ihn und sah ihm ins Gesicht. “Wer bist du und was ist geschehen? Rede!” Der Mann sah zu Boden. In seinen Augen standen Tränen, als er schließlich anfing zu reden: “Unser Dorf wurde angegriffen! Wir konnten nichts dagegen tun! Es waren Fremde. Sie kamen in unser Dorf einmarschiert, haben uns mit Giftpfeilen angegriffen und alle ausgelöscht.. Sie sind alle tot…”
Zuerst war es still um sie herum. Tsu´tey schluckte. “Wie viele waren es?” fragte er schließlich, sichtlich um Fassung bemüht. “Es waren nicht viele; aber ihr Angriff war unvorbereitet und erfolgte so schnell, dass wir nicht einmal die Zeit hatten unsere Krieger auszusenden. Wie haben alles versucht, aber sie waren einfach stärker..” “Und alle aus deinem Dorf sind getötet worden? Wirklich alle?” Der Fremde sah ihm ins Gesicht: “Ja, ich bin der einzige Überlebende.. Unser Dorf war nicht groß; sie haben alle ausgelöscht.. Ich weiß nicht mal, wie ich entkommen konnte - ich bin einfach nur geflohen; ich weiß es nicht…” Mehr war nicht aus ihm heraus zu bekommen, denn er brach zusammen. Tsu´tey und die anderen kümmerten sich um ihn und brachten ihn ebenfalls in das Lazaretthaus. Natürlich kümmerten sich die anderen Medizinfrauen um ihn; er war nicht verletzt, nur erschöpft.
Tsu´tey stand zuerst einfach nur da, doch dann wusste er, was zu tun war. Sie mussten in das Dorf, um sich dort nach Spuren umzusehen. Doch zuvor musste er noch etwas erledigen. Tsu´tey sagte den anderen Kriegern bescheid, dass sie sich versammeln und ihre Ikrans bereit halten sollten. Er würde ihnen folgen. Doch zuerst musste er Jake und Neytiri Bescheid geben. Sie mussten in ihre Pläne eingeweiht werden und bei ihren weiteren Aktionen dabei sein.
Jake und Neytiri saßen immer noch in sich versunken und mit dem Seelenbaum verbunden da und keiner von ihnen bemerkte die Welt um sich herum, als Jake eine Hand auf seiner Schulter spürte. Langsam wachte er aus seiner Art Trance, in die er gesunken war, auf und sah sich um. Hinter ihm stand Tsu´tey und sah ihn mit einem bedrückten Gesichtsausdruck an. “Tut mir Leid Jake, dass ich dich stören muss, aber es ist etwas geschehen.” “Was? Ist etwas mit Samara? Ist sie..” Jake dachte bereits an das Schlimmste und auch Neytiri hatte sich zu ihnen gestellt. Sie hatte bemerkt, dass etwas um sie herum geschehen war und hatte die Verbindung zu Eywa gelöst. “Nein, es geht nicht um Samara; über ihren Zustand weiß ich nichts neues. Aber vor einigen Minuten ist ein Fremder aus einem Nachbardorf zu uns gekommen; er sagte, er war der einzige Überlebende eines Angriffes auf sein Dorf. Vermutlich von dem selben Stamm, der die Mädchen angegriffen hat. Sie haben sein ganzes Dorf ausgelöscht und alle getötet; bis auf ihn. Er konnte entkommen, auch, wenn er selber nicht weiß, wie… Wir wollen uns das Dorf anschauen um Spuren zu sammeln. Die anderen sind schon bei ihren Ikrans. Ich wollte euch Bescheid geben, denn ich denke, ihr wollt dabei sein…” Weiter brauchte er nicht zu reden. Jake und Neytiri nickten. Natürlich wollten sie dabei sein. Jake hatte genug gebetet, und auch Neytiri hatte getan, was sie nur konnte. Jetzt mussten sie abwarten, der Rest lag in Eywas Hand. Jake löste sich von seinem Strang und dann rannten sie zusammen mit Tsu´tey zu den anderen, die bereits ihre Ikrans zu sich gerufen hatten. Dasselbe taten sie auch und ohne weitere Verzögerung flogen sie auf das Dorf zu. Was würde sie dort erwarten?…

