18. Kapitel - Das Hohe Gericht
In der Zwischenzeit war Neytiri von den anderen Frauen zum Rat gerufen worden. Sie selbst war noch als oberste der Omaticaya-Frauen eingesetzt, zumal Kay´liah, Tsu´teys Ehefrau, tot war.
Die Frauen berieten sich, was sie nun tun sollten, und kamen darin überein, alle zerstörten Gebäude, so weit es ihnen möglich war, wieder aufzubauen - allen voran, das Lazarett.
Es war vollkommen ausgeräuchert. Verbrannt war es nicht, die Frauen hatten es geschafft, das Feuer, das sich auf den Weg gemacht hatte, die Hütte zu verbrennen, vorab zu löschen. Aber der Rauch war eingedrungen, und es hatte die Wände geschwärzt. Die Frauen begannen, sich an die Arbeit zu machen. Noch fühlte Neytiri sich dazugehörig - doch wie lange würde dies andauern? Und, wann, wenn übehaupt, würden ihre Männer wieder kehren? Natürlich machte nicht nur sie sich Sorgen darüber; doch erst einmal kümmerten sich die Frauen um ihre Aufgaben. Es lenkte sie von den quälenden Gedanken ab.
Als sie schließlich fertig waren, wie lange es gedauert hatte, wusste Neytiri gar nicht, wollte sie natürlich schnellstmöglich nach Samara schauen. Sie hatte sie schon zu lange allein gelassen.
Allerdings ging sie davon aus, dass Eywa über sie wachen würde. Umso entgeisterter war sie, als sie in ihre Wohnstätte eintrat: Die Schlafstätte, auf der Samara liegen sollte, war leer!
Neytiris Herz schlug Purzelbäume. Sie konnte es erst einmal nicht fassen. Wo war ihre Tochter? War etwa jemand hierher eingetreten und hatte Samara mitgenommen? Aber niemand hatte Alarm geschlagen. Sie hatten noch einige Männer, die dazu abbestellt worden waren, nach erneuten Eindringlingen Ausschau zu halten. Neytiri konnte es nicht fassen. Sie rief lauthals nach Samara, doch diese war eindeutig nicht anwesend. Dann lief sie hinaus und rannte beinahe panisch um ihre Hütte herum.
Samara konnte doch nicht fort sein! Nicht bei den Verletzungen, die sie gehabt hatte, als sie sie alleine gelassen hatte. Selbst wenn sie ihre Heimatstätte verlassen hätte, wäre sie nicht weit gekommen. Neytiri zog die Aufmerksamkeit der anderen Frauen und auch der Männer auf sich, und diese versammelten sich um sie, um sie zu fragen, was geschehen war. Diese antwortete, in purer Angst um Samara. Sie sah Misstrauen in den Augen der anderen, und konnte es ihnen nicht einmal verdenken. Sie alle wussten, was Jake getan hatte. Auch, wenn Neytiri mittlerweile wusste, dass Eywa dessen Tat gutgeheißen hatte, lag es nicht an ihr, dies den anderen begreiflich zu machen. Wenn Jake zurück kommen würde, würde es unweigerlich eine Verhandlung geben - und sie konnte nur ebenfalls auf ein Zeichen Eywas hoffen, das ihnen allen die Wahrheit vor Augen führen würde.
Doch nun ging es um Samara. Und sie durfte nicht zulassen, dass ihre Tochter ebenfalls vorverurteilt wurde. "Wir müssen Samara finden. Bitte helft mir! Ich weiß nicht, wieso sie verschwunden ist, aber Fakt ist, dass sie fort ist. Bitte, helft mir, sie zu finden!" Und die anderen nickten und begaben sich auf Spurensuche. Sie durchforsteten das gesamte Dorf, das nicht allzu groß war, und sie begriffen ziemlich schnell, dass Samara tatsächlich nicht da war. Dann verließen einige, unter ihnen befand sich selbstverständlich auch Neytiri, ihr Dorf und suchten außerhalb weiter. Das Mädchen konnte doch nicht so weit fort sein! Wie konnte das geschehen? Sie alle waren ziemlich verwirrt, und jeder hatte seine eigenen Gedanken diesbezüglich...
Tsu´tey führte, mit Tanía an seiner Seite, den Trupp an. Hinter ihm lief Jake, der Samara immer noch an sich gedrückt hielt, und von seinen ehemaligen Stammesbrüdern bewacht wurde. Aber im Grunde war dies nicht nötig. Jake war verletzt. Nicht tödlich, aber doch so sehr, dass er gar nicht hätte fortlaufen können, selbst, wenn er es gewollt hätte. Allerdings hatte er dies ohnehin nicht vor. Er wusste, was ihn erwartete, und er würde sein Schicksal annehmen; alles, was ihn beschäftigte war, dass bloß Samara nicht ebenfalls gerichtet werden sollte. Er fühlte vor allem Erleichterung darüber, dass er sie wieder hatte. Dass sie lebte. Und er fühlte seine Liebe zu ihr. Das ließ ihn ebenfalls nicht aufgeben.
Hinter ihnen liefen die Frauen und Kinder, die sie gerade erst befreit hatten. Alle schwiegen, die Frauen, weil sie sich schämten, und ebenfalls nicht wussten, was Eywa nun für sie bereithalten würde. Ihre Männer würden sie niemals wieder als die ihren akzeptieren.
Die kinder waren traumatisiert, und teilweise durch die Droge neben sich; Tanía ging es nicht wirklich gut. Und auch Samara schwieg, ihren eigenen Gedanken nachhängend. Sie wusste ebenfalls, was nun ihrem Vater bevorstand. Einerseits spürte sie Angst, doch andererseits wusste sie, dass Eywa ihn nicht dafür bestrafen würde. Sie hatte kurzfristig überlegt, ob sie ihm, oder vor allem Tsu´tey, hier und jetzt etwas über ihr Erlebnis mit Eywa erzählen sollte; entschied sich aber dann dagegen. Sie wollten alle einfach nur nach Hause - und wenn sie dort angekommen waren, war die bessere Gelegenheit dafür. Zumal sie ja wusste, dass auch Neytiri diesen Traum von Eywa geschickt bekommen hatte.
Ihr Herz zog sich ein wenig zusammen. Neytiri... Hatte sie mittlerweile mitbekommen, dass sie fort war? Und, wenn ja, würde sie deswegen wütend auf sie sein? Sie konnte nur hoffen, dass dies nicht der Fall war. Sie musste verstehen, dass sie keine andere Wahl gehabt hatte. Dies war ebenfalls Eywas Wille gewesen.
Und so halfen sowohl Jake als auch sie sich gegenseitig, weiter zu laufen. Ab und an schauten sie sich an, und Samara bemerkte die Liebe aus Jakes Augen blitzen. Sie lächelte ihn ebenfalls an. Es dauerte nicht mehr lange, dann waren sie endlich an ihrem Dorf angekommen. Und sie wurden glücklicherweise nicht einmal von einem Feind behelligt. Anscheinend verfolgten sie die Tscha´lar auch nicht weiter.
Schließlich sahen sie ihr Dorf in weiter Ferne. Aber sie sahen nicht nur ihr Dorf; ihnen kamen auch einige ihrer Landsleute entgegen. Tsu´tey und auch Jake sahen sie als erstes. Beide fröstelte es, denn sie wussten nicht, weshalb ihre Leute ihr Dorf verlassen sollten. War erneut etwas geschehen? Doch die Tcha´lar konnten es nicht gewesen sein. Oder hatten sie noch mehr Krieger, die nicht bei ihnen gewesen waren? Hatte Granar sie erneut herein gelegt?
Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sie sich gegenüber standen. Bevor Tsu´tey etwas fragen konnte, raste Neytiri zu Jake und Samara und nahm beide in ihre Arme: "Jake, Samara! Oh, bei Eywa - ihr lebt! Ich bin so froh, dass ihr lebt... Jake..." Sie weinte beinahe, und Jake schwieg erst einmal. Er schloss sie ebenfalls in seine Arme, und genoss den Augenblick, von dem er nicht wusste, wie lange er andauern würde. Und es währte in der Tat nicht lange, dann hörten sie Tsu´tey, wie er sich räusperte und sprach: "Entschuldigt, dass ich eure Eintracht störe, aber wir haben jetzt etwas zu erledigen!" und er blickte Jake und Neytiri an.
Die beide wussten, was er meinte. Es war soweit... Neytiri löste sich von Jake und widmete sich Samara. Diese blickte sie ebenfalls an, und senkte dann den Blick. "Verzeih mir, Mutter. Ich hatte eine Aufgabe zu erfüllen. Mir blieb keine andere Wahl..." Und Neytiri verstand. Natürlich hatte auch sie den Traum nicht vergessen, den Eywa sowohl ihr, als auch ihrer Tochter, gesandt hatte.
Selbstverständlich wussten weder Tsu´tey noch die anderen, was Samara damit meinte, dennoch beließ Tsu´tey es erst einmal dabei. Er würde später noch mit Neytiri reden, sie war ihm eine Erklärung bezüglich Samara schuldig, und diese musste gut sein, damit er sie akzeptieren konnte. Ansonsten hatte er keine andere Wahl, als diese ebenfalls anzuklagen. Was er äußerst ungerne tun würde. Doch nun setzten sie den Rest des Weges fort und gelangten schließlich an ihr Dorf zurück.
Jake war in der Zwischenzeit immer schwächer geworden, und schließlich sank er auf den Boden. Samara setzte sich zu ihm: "Vater?" Jake blickte zu ihr auf, und versuchte zu lächeln. Doch man sah ihm die Schmerzen an. "Schon gut, Kleines. Es ist nicht schlimm..." Doch seine Gesichtszüge sprachen Bände und straften seine Worte Lügen. Neytiri blickte Tsut´tey bittend an und sagte, an ihren Anführer gewandt: "Bitte, Tsu´tey: Gib Jake die Zeit, gesund zu werden, bevor wir ihn in den Kreis der Gerechtigkeit bringen. Ich bitte dich. So kann er nicht gerichtet werden..." Und auch Samara sah angstvoll zu Tsu´tey herauf.
Dieser blickte zurück. Er hatte ohnehin noch etwas zu erledigen, und er war kein Untier. Zumal er jetzt auch erst einmal wissen musste, ob es wirklich nur Jake war, gegen den Eywa Gerechtigkeit wallten lassen musste.
Und so nickte er, und sagte, an seine Mannen gewandt: "Bringt Jake ins Lazarett, soweit dies noch - oder wieder - gebraucht werden kann." Er blickte Neytiri an, diese nickte. So fuhr er fort: "Und dann kümmert euch um ihn. Sobald er wieder gesund ist, wird der Kreis der Gerechtigkeit beginnen. Und du, Neytiri, kommst jetzt mit mir! Samara, du und Tanía, ihr werdet ebenfalls in das Lazarett verbracht!" Er wandte sich noch einmal an die anderen, die noch bei ihm standen: "Sorgt für beide! Insbesondere meine Tochter steht unter ständiger Bewachung! Ich fürchte, sie ist noch lange nicht von den fremden Dämonen befreit.." Und so nahmen die anderen Omaticaya sowohl Jake, als auch Samara und Tanía mit sich.
Zuerst versuchte Samara sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie wollte mit Tsu´tey und Neytiri mitgehen, denn sie ahnte, worum es in ihrem Gespräch gehen würde. Doch sie wurde rüde von Tsu´tey bereits im Ansatz unterbrochen, der jeden Versuch untersagte. Samara konnte nur hoffen, dass Neytiri es ihm begreiflich machen konnte. Ihren Traum, den Eywa ihnen geschickt hatte! Vielleicht schaffte sie es, Tsu´tey davon abzuhalten, ihren Vater in den Kreis zu schicken? Vielleicht würde die ganze Verhandlung gar nicht stattfinden?
Aber es war müßig, darüber nachzudenken. Samara wusste, dass es nun an Eywa lag, was weiter geschah. Sie war der festen Überzeugung, dass etwas geschehen würde; selbst, wenn das Hohe Gericht stattfinden sollte. Eywa würde ihren Vater nicht bestrafen. Wieso sollte sie? Sie hatte doch gezeigt, dass sie auf seiner Seite stand...
Und so ließ sie sich schließlich mitführen, genauso, wie Tanía, die bereits die ganze Zeit stillschweigend nebenher gelaufen war Ihr war anzusehen, dass sie noch nicht sie selber war. Samara machte sich Sorgen. Würde ihre beste Freundin jemals wieder sie selbst sein? Und die anderen Kinder? Was hatte dieses Teufelszeug aus ihnen gemacht?
Doch dies war nun nebensächlich. Samara und Tanía waren, zusammen mit den anderen Kindern und auch Jake, fortgeführt worden, und nun war Neytiri mit Tsu´tey alleine. Es folgte eine Befragung, die Neytiri ihm so gut sie es nur konnte, beantwortete. Im Grunde wusste sie beinahe genauso wenig wie er. Weswegen sie ebenfalls versuchte, Tsu´tey von ihrem - und Samaras - Traum zu berichten, und ihm begreiflich zu machen, dass Eywa Jakes Taten guthieß. Doch Tsu´tey brach diesen Versuch im Ansatz ab: "Dafür ist das Hohe Gericht verantwortlich! Dem wird sich Jake nicht widersetzen können! Im Grunde geht es hier und jetzt auch nicht um Jake, sondern um Samara. Du konntest mir auch nicht wirklich verständlich machen, wie es deiner Tochter gelingen konnte, von hier zu entkommen, und das in ihrem Zustand, in dem sie sich befunden hatte, als wir das Dorf verlassen haben! Auch dies wird noch zu klären sein; sobald Jake wieder hergestellt ist, wird zuerst seine Verhandlung stattfinden. Wir werden sehen, wie das Hohe Gericht entscheidet, danach werde ich entscheiden, ob es auch eine Verhandlung gegen Samara geben wird. Und gegebenenfalls auch gegen dich!" Und damit ließ er Neytiri alleine.
Diese war verzweifelt. Dass Tsu´tey ihr nicht glaubte, war schlimm genug, doch dass jetzt auch noch Samaras Schicksal, und gegebenenfalls auch ihres, an Jakes Verhandlung geknüpft war... Doch dann streckte sie ihren Kopf und blickte gen Himmel. Sie ballte die Fäuste. Sie würde dafür sorgen, dass der Hohe Rat Jake frei sprach! Sie kannte die Wahrheit! Sie würde Jakes Stimme sein, und wenn er wirklich gehen musste, dann brauchte sie keine Verhandlung mehr, denn sie würde mit ihm gehen! Doch dann ging es immer noch um Samara! Ihre Tochter durfte keine Ausgestoßene werden. Und es stand ja auch eventuell eine andere Bestrafung im Raume... Neytiri begab sich in ihre Wohnstätte und legte sich auf ihr Bett. Sie hoffte auf einen weiteren Traum; ein weiteres Zeichen Eywas, was ihr vorgab, was sie nun tun sollte...
Es war einige Zeit vergangen, in der Jake versorgt worden war. Ein paar wenige Medizinfrauen waren noch vorhanden, die nicht in dem Rauch umgekommen waren, und denen es nun wieder einigermaßen gut ging. Sie verarzteten ihn, so gut sie es konnten, und er fühlte sich wieder so weit hergestellt, dass er sich nun dem kommenden Schicksal stellen konnte - stellen musste!
Der Augenblick war gekommen. Jake wusste es, als Tsu´tey, und andere, in sein Zimmer eintraten. Die Blicke, mit denen sie ihn musterten, waren eindeutig, und er erhob sich schweigend.
Dann trat er hinaus. Tsu´tey ging vor ihnen, und zwei seiner Leute liefen an seiner Seite. Sie hielten ihn fest, allerdings wussten auch sie, dass es dafür eigentlich keinen Grund gab. Er würde ihnen nicht fort laufen. Nach einigen Metern erreichten sie die Stelle, an der das Hohe Gericht tagen würde: Es war ein Steinkreis auf einer Lichtung, am Rande des Waldes. Jake wurde in die Mitte gestellt, und alle anderen stellten sich um ihn herum.
Er erblickte ebenfalls Neytiri und Samara, und er lächelte ihnen zu. Beide schauten angespannt, und dennoch hoffnungsfroh. Neytirir hatte ihm zuvor von ihrem und Samaras Traum erzählt, und auch, dass es wohl Eywa gewesen war, die Samara den Weg gewiesen hatte. Er hatte Hoffnung. Auch, wenn Tsu´tey dies nicht an sich heran gelassen hatte, dennoch hoffte er auf ein erneutes Zeichen. Doch was, wenn Eywa nicht auf seiner Seite stand? Wenn es ihr zwar um Samara und um Tanía gegangen war, aber er der Gottheit egal war? Er wusste es nicht. Noch sah es nicht so aus, als ob sich irgend etwas tun würde, um IHN zu retten...
Doch egal, was nun folgte, er würde es annehmen. Schließlich trat Tsu´tey hervor und erhob seine Stimme: "Wir, der Hohe Rat der Omaticaya, tagen hier, um über das Schicksal unseres ehemaligen Mitgliedes, Jake-Sully, zu bestimmen. Dieser hat gegen unsere oberste Regel verstoßen: Er hat sich gegen unsere Gottheit, Eywa, gestellt, und selbst Hand angelegt, um seine Tochter zu retten!" Er blicke kurz zu Samara herüber. Sowohl Jake als auch Neytiri wurde anders, bei seinem Blick. Zumindest Neytiri wusste, dass es auch um Samaras Schicksal gehen würde, und Jake ahnte es zumindest. Das durfte nicht geschehen! Doch noch hielt er sich geschlossen, während Tsu´tey weiter die Anklage vortrug: "In den 16 Jahren, die Jake-Sully nun bei uns verbracht hat, muss es ihm klar geworden sein, dass nur ein Wesen die Macht, und Befugnis, hat, über Leben und Tod zu entscheiden! Und das sind nicht wir! Das ist Eywa, unsere Gottheit! Sie hätte es entscheiden müssen, und wenn sie entschieden hätte, Samara zu sich in ihr Reich zu holen, dann hätten wir alle", er betonte dies extrem, "dies akzeptieren müssen, so viel Leid uns dies auch antut. Es wäre Eywas Wille gewesen!"
Stille hatte sich ausgebreitet, und niemand sprach ein Wort, während Tsu´tey fort fuhr: "Und so geht es jetzt und hier darum, die geeignet Strafe für Jake-Sully zu finden. Jeder von uns weiß, dass es nur zwei Arten von Strafe für dieses Vergehen gibt: Den Tod, oder die Verbannung. Doch bevor wir zum Urteilsspruch kommen, wird Jake selbst noch die Möglichkeit gewährt, sich diesbezüglich zu Wort zu melden. Und ich frage ebenfalls, ob es jemanden hier in der Runde gibt, der für ihn sprechen will?"
Sowohl Neytiri als auch Samara wussten, dass dies jetzt und hier ihre einzige Stunde sein würde, den anderen die Wahrheit mitzuteilen. Keine von ihnen wusste, ob dies etwas nutzen würde, doch es war ihre einzige Chance. Und so traten beide vor, und Neytiri antwortete, stolz erhobenen Hauptes: "Ja, ich will für ihn sprechen." Auch Samara trat hervor und sagte dasselbe.
Jake blickte sie mit Tränen in den Augen an. Liebe durchflutet ihn, und gleichzeitig auch Angst. Im Grunde wusste er, dass er verloren war. Ganz egal, was seine Liebsten nun auch sagen würden. Aber er fühlte Liebe in sich, dass sie es zumindest versuchten. Dennoch durfte er nicht zulassen, dass sie sich in Gefahr begaben, seinetwegen...
Doch Neytiri war es anzusehen, dass sie nicht davon abzuhalten war, und so schwieg er. Er hatte ohnehin zu schweigen, bis Tsu´tey ihn auffordern würde, zu sprechen. Ob es etwas bringen würde, wusste er nicht. Dennoch wollte er es versuchen.
Neytiri war neben ihn getreten und legte eine Hand um seine Hüfte. "Hoher Rat, bitte, ich habe bereits zuvor versucht, zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass meine Tochter einfach so, ohne entdeckt zu werden, und vor allem, trotz ihrer schweren Verletzungen, von zu Hause fortlaufen konnte..." Sie kam nicht weiter. Jake sah sie an. Wieso redete sie jetzt über Samara? Und Tsu´tey unterbrach sie, und fragte im Grunde dasselbe: "Was soll das? Es geht jetzt und hier nicht um deine Tochter, das weißt du!" Neytiri nickte. "Ja, das weiß ich. Aber indirekt geht es hier auch um Jake! Wie ich bereits ebenfalls sagte, hatten Samara und ich zuvor denselben Traum. Geschickt von Eywa! Und in diesem Traum wurde uns von ihr geweissagt, dass sie einverstanden war, mit dem, was Jake getan hat. Sie ist gewillt, Veränderungen anzunehmen. Ich habe dies zuvor auch nicht verstanden, erst durch diesen Traum! Und dann kam das erneute Zeichen, das sie Samara zukommen ließ. Sie hat diese gesund werden lassen, und sie zu dem Ort geführt, an dem das schreckliche Geschehen stattgefunden hat..."
Tsu´tey unterbrach sie erneut. Es ärgerte ihn, dass Neytiri, in Ausführung ihrer Verteidigung, nun erneut diese Geschichte hier auftischte: "Genug! Ob Träume nur Träume sind, oder tatsächlich von Eywa gesandte Zeichen, vermögen wir nicht immer richtig zu deuten. Manchmal sind es schlichtweg Wünsche, die uns leiten. Und was deine Tochter angeht: Darüber werden wir auch noch richten müssen. Aber alles nacheinander. Hat noch jemand etwas zu Jakes Verteidigung zu sagen? Jake? Was sind deine Worte?"
Jake selbst war kurzfristig erstarrt, als ihm bewusst wurde, was Tsu´tey mit seinen Worten zum Ausdruck bringen wollte: Auch Samara würde einen Prozess bekommen? Wofür? Dass es ihr gelungen war, fort zu gehen, obwohl sie verletzt gewesen war? War es denn so schwer, sich einzugestehen, dass dies tatsächlich Eywas Wille gewesen war? Weshalb tat sich Tsu´tey so schwer damit?
Jake schluckte, dann sprach er, es war an der Zeit: "Ich weiß nicht, was Eywas Wille gewesen wäre... Was ich weiß ist, dass es nicht mehr Zeit gegeben hat, um Samara fort zu bewegen. Sie hätte den Transport zum Lebensbaum nicht überstanden! Und ja, ich habe eine Entscheidung getroffen, ich alleine! Aber wenn Eywa damit nicht einverstanden gewesen wäre, hätte sie es dann nicht verhindert? Sie hätte sicherlich die Macht gehabt, mich davon abzuhalten, oder Samaras Geist wäre nicht wieder in ihren Körper gefahren! Auch in meiner früheren Welt gab es keine Garantie dafür, dass jemand überleben musste, nur, weil man diese Praktiken angewandt hatte. Bitte, ich bitte euch - denkt einmal darüber nach. Eywa hat es zugelassen, sie hat Samara zurück kehren lassen, auch, wenn dies nicht am Lebensbaum stattgefunden hat. Und sie hat Neytiri und Samara Zeichen gesendet. Ist das denn kein Beweis dafür, dass auch Eywa Veränderungen akzeptiert? Warum könnt ihr es nicht auch..."
Tsu´tey unterbrach ihn erneut: "Es reicht! Du bist nicht hier, um uns zu belehren - Jake-Sully! DU bist hier der Angeklagte! Was wir auch immer für "Zeichen" sehen, oder diese zu interpretieren wissen, es ist nicht deine Aufgabe!" Jake schluckte. Er begriff, dass nichts, von dem was er sagte, ausreichen würde, um diese Verhandlung zu einem anderen Ende zu bringen. Er war verloren. Es war hier und jetzt nur noch die Frage, welche Strafe ihn ereilen würde. Würden sie Gnade vor Recht walten lassen? Würde er sterben, oder in die Verbannung geschickt werden - was durchaus dasselbe bedeuten könnte? Und, was für ihn noch schlimmer war: Was würde mit Neytiri und Samara? Er blickte erneut Tsu´tey an, und sprach, mit heiserer Stimme: "Ich nehme das Urteil an, welches auch immer mit hier und jetzt auferlegt wird - aber lasst Neytiri und Samara gehen. Es ist eindeutig Eywas Zeichen, dass Samara wieder genesen ist! Unabhängig von meiner Tat! Anders könnt ihr es euch doch auch nicht erklären. Wenn ihr mich straft, dann seht von einer Anklage meiner beiden Liebsten ab, bitte!"
Neytiri stand neben ihm und drückte seine Hand. Sie hatte sich bereits entschieden, was sie tun würde, wenn er verurteilt wurde, und dass dies geschah, wusste auch sie. Es würde nicht mehr lange dauern, dann entschied das Hohe Gericht über Jakes - und im Grunde auch über ihr - Schicksal. Doch auch sie machte sich natürlich Sorgen um Samara. Doch noch war es nicht so weit. Und Neytiri hoffte immer noch auf ein Wunder. Wieso schritt Eywa nicht ein? Es konnte doch nicht ihr Wille sein, Jake sterben zu lassen? Für etwas, was sie selbst geduldet, und ihnen offenbart hatte?! Sie verstand es nicht. Doch noch sah es nicht so aus, als ob Eywa auch nur ein kleines Zeichen ihres Einverständnisses von sich geben würde. Und die Zeit rann davon.
Schließlich war es so weit. Die Urteilsverkündung stand an. Sowohl Neytiri als auch Jake hatten gesprochen, mehr würde Tsu´tey, als oberster Omaticaya, auch nicht akzeptieren - das wusste auch Samara, die im Grunde ebenso angespannt war, wie ihre Mutter. Sie spürte pure Verzweiflung in sich, als Tsu´tey erneut das Wort ergriff: "Und nun ist es so weit: Alle hier Anwesenden treten einzeln hervor und sprechen aus, wie sie richten. Zuerst, ob sie Jake-Sully, ehemaliger Omaticaya, und Angeklagter, im Sinne der Anklage schuldig, oder nicht schuldig erkennen. Und, sollte ihr Urteil auf "schuldig" lauten, direkt dabei, ob sie auf "Tod", oder "Verbannung" plädieren. Je nachdem, was der Rat beschließt, werde ich zum Schluss das endgültige Urteil verkünden. Also, der erste beginnt", und er zeigte auf einen Omaticaya, der direkt hinter ihm stand.
Dieser schluckte. Es fiel ihm schwer, hier und jetzt eine Entscheidung zu treffen. Er mochte Jake. Dieser war immer ein treuer Freund gewesen, und es machte ihn traurig, und auch leicht wütend zugleich, dass er nun über dessen Schicksal entscheiden musste. Aber im Grunde war dieser es ja selber schuld. Er hatte ihnen schließlich diese grausame Entscheidung auferlegt. Hätte er dieses Verbrechen nie begangen, stünden sie nicht hier! Und es war eindeutig ein Verbrechen, was er begangen hatte! Er hatte sich gegen ihre Gottheit gestellt, genauso, wie es Tsu´tey gesagt hatte.
Also trat er schließlich hervor und sagte, mit lauter, vernehmlicher Stimme: "schuldig, im Sinne der Anklage - ich plädiere auf Verbannung!", dann trat er wieder zurück in den Kreis.
Jake schluckte. Ihm traten Tränen in die Augen, denn er wusste, was folgen würde. Neytiri stand neben ihm und drückte ihn an sich, und er hörte Samara still neben ihm schluchzen. Es brach ihm das Herz, doch er konnte nichts sagen, während sie alle, einer nach dem anderen, vortraten, und im Grunde dasselbe sagten. Bis auf wenige Ausnahmen entschieden auf auf "schuldig". Das einzige, was Jake hoffen ließ, bezüglich des Urteilsspruches, war, dass ausnahmslos alle auf "Verbannung" plädierten, die ihn für schuldig erklärt hatten.
Dann war es zu Ende. Es war eine Farce gewesen, von Anfang an. Und Jake war klar, dass er würde gehen müssen. Tsu´tey musste jetzt nur noch das endgütlige Urteil verkünden. Und dieser setzte gerade dazu an, als etwas geschah, mit dem keiner von ihnen gerechnet hatte, vor allem nicht Tsu´tey; aber auch nicht - mehr - Jake oder seine Liebsten.
Tsu´tey hatte nun genug gehört. Es war klar, wie er urteilen würde. Er begann, seine abschließende Rede zu halten, die den Urteilsspruch beinhaltete: "Wir alle haben es gehört. Über Jake wurde gerichtet. Das Urteil lautet: Schuldig, im Sinne der Anklage - und ich verhänge hiermit die Strafe, die unser ehemaliges Mitglied erhält: Jake-Sully, ich verurteile dich hiermit..."
Weiter kam er nicht. In diesem Augenblick tönte ein Grollen über die Lichtung, das sie alle erstarren ließ. Sie blickten zurück, in den Wald, aus dem das Geräusch kam - und sie alle trauten ihren Augen nicht. Aus dem Wald trat ein Barbarack hervor, ein riesiges Steinwesen, das so groß war, wie ein halber Felsen. Wie es sich ihnen nähern konnte, ohne von ihnen bemerkt zu werden, wusste keiner von ihnen. Doch das war jetzt ihr geringstes Problem; hinter ihm kamen noch mehr der unterschiedlichsten Wesen hervor. Sie alle standen vor ihnen, und starrten sie mit blitzenden Augen an. Es wurden immer mehr, sowohl große, als auch kleine, die aber eines gemeinsam hatten: Sie waren wild und gefährlich. Und nur eines von ihnen hätte ausgereicht, um sie alle zumindest schwer zu verletzen...
Tsu´tey sah, wie seine Leute ihre Waffen hoben, in eindeutiger Absicht, mit den wilden Geschöpfen zu kämpfen. Zumindest, so weit sie überhaupt eine Chance hatten. Doch etwas in ihm "sagte" ihm, dass dies ein Fehler sein würde, und er hatte ebenfalls gelernt, auf seine "innere Stimme" zu hören. Somit gab er seinen Leuten ein Zeichen, die Waffen nieder sinken zu lassen. Diese waren dezent gesagt, verwirrt, aber sie gehorchten. Was würde dies hier nun werden? Wieso verbot ihnen ihr Anführer, sich zur Wehr zu setzen? Die Antwort folgte, und sie alle waren noch überraschter, als sie es ohnehin schon waren: Der Barbarack war der erste, der noch ein paar Schritte nach vorne machte. Sie alle wichen vor ihm zurück. Sie wussten, dass diese Wesen ohnehin schwer zu besiegen waren; ihre Haut war hart wie Stein, und es gab nur wenige Stellen, an denen sie verletzt, beziehungsweise getötet werden konnten. Und selbstverständlich war es schwer, an diese heran zu kommen. Nun schritt es immer näher an sie heran, und abgesehen von Jake, der immer noch an seiner Stelle, in der Mitte des Kreises, stand, und Tsu´tey, der sich hinter ihm befand, hatten sich alle an die Seite geflüchtet. Auch Neytiri, als Jake ihr ein Zeichen gab, zurück zu gehen. Zu Samara und den anderen. Diesen war anzusehen, dass ihre Angst immer größer wurde. Doch auch sie blieben ruhig, und warteten ab. Was wollten die Bestien? Nach einem Angriff sah das - zumindest noch - nicht aus...
Und dann geschah etwas, was erst einmal alle, vor allem Tsu´tey, aus der Bahn warf: Der Barbarack, der mittlerweile beinahe vor Jake angekommen war, blieb stehen - und beugte sein Haupt vor ihm. Es war ein eindeutigs Zeichen der Unterwerfung, das alle anderen, ebenfalls wilden, Wesen, ihm nachtaten. Es waren noch mehr dazugekommen; auch eher friedlichere Geschöpfe, von denen in der Regel keine so große Gefahr ausging. Eines davon war ein überdimensional großes Pferd. Tsu´tey und die anderen glaubten ihren Augen nicht zu trauen, als sich ihnen dieses Bild bot. Alle wilden Wesen, sowohl die, die sich normalerweise auf sie stürzen würden, um sie zu vernichten - vorausgesetzt sie waren nicht schneller- als auch die anderen, beugten und knieten sich, je nach ihrer körperlichen Konstitution, vor Jake nieder! Und Tsu´tey wusste, dass es ein Zeichen war. Dies war das Zeichen, das Eywa IHM jetzt und hier gab. Und er wusste auch, dass Neytiri Recht gehabt hatte: Eywa hatte ihr und Samara diesen Traum gesandt, und wohl auch gleichzeitig gewusst, dass dies für ihn nicht ausreichen würde.
Jetzt war ihm auch klar, dass er Jake nicht verurteien konnte - nicht verurteilen DURFTE! Er hob die Hand, und legte seinen Speer fort, der das Zeichen seines obersten Ranges war - dann kniete er ebenfalls vor Jake nieder und beugte sein Haupt.
Die anderen starrten zuerst einige Sekunden auf Tsu´tey, sie konnten kaum fassen, was hier geschah - doch dann taten sie es ihm nach. Sie knieten ebenfalls vor Jake nieder. Nun knieten sie alle, bis auf Neytiri und Samara, vor Jake, und dieser starrte sie an, als ob er sich gerade in einem schlechten Traum wähnen würde...
Und so kam er sich auch gerade vor. Jake wurde anders, was sollte das jetzt hier? Gerade war er noch so nahe an der alles verändernden, alles zerstörenden Verbannung gewesen - und jetzt zeugte ausnahmslos jeder, sogar die wilden Bestien ihm ihren Tribut? Ihre Wertschätzung? Ihm war flau im Magen, und er sah, dass auch Neytiri und Samara gerade im Begriff waren, sich vor ihm hin zu knien. Er schüttelte den Kopf. Langsam fand er seine Sprache wieder: "Steht auf! Bitte! Niemand braucht vor mir nieder zu knien! Das ist es nicht, was ich will"
Schließlich stand Tsu´tey auf. Er sah zu den Wesen hinüber, die langsam ebenfalls aufgestanden waren. Doch sie standen immer noch auf ihrem Platz und starrten zu ihnen herüber. Dann standen auch die anderen auf, und Tsu´tey fand seine Sprache wieder: "Es tut mir leid, Jake... Ich gebe zu, ich habe mich geirrt. Dies ist ein Zeichen Eywas, ein großes Zeichen! Für uns alle! Du bist selbstverständlich von der Anklage befreit. Das Urteil wird hiermit aufgehoben. Durch Eywas Willen! Und DU wirst ab jetzt unser Anführer sein. Ich gebe meinen Posten hiermit an dich ab!" Und er legte Jake seinen Speer in die Hände.
Jake schluckte. Er blickte Tsu´tey an, dann gab er ihm den Speer zurück und antwortete: "Ich wollte niemals, dass es SO endet.. Ich weiß nicht, womit ich dies verdient habe, aber ich will, dass es als das gesehen wird, was es vermutlich sein soll: Ein Zeichen Eywas, das sie Veränderungen in Pandora akzeptiert! Mehr ist es nicht! Mehr soll es auch nicht sein! Sie hat akzeptiert, was ich getan habe. Und ich möchte, dass ihr dies auch annehmt. Und die Tatsache, dass es Änderungen geben wird. Was allerdings nicht heißen muss, dass sich alles ändert! Ich werde dich nicht deines Postens hier entheben! DU bist unser Anführer, Tsu´tey, und ich würde mich freuen, auch weiter unter dir dienen zu dürfen. Als dein zweiter Mann. Wie früher." Und er blickte ihm in die Augen.
Tsu´tey blickte zurück, und in seinen Augen blitzte etwas auf, was Jake schon lange nicht mehr in ihnen gesehen hatte: Wärme, und Freundlichkeit. Er lächelte; dann schlug er ihm gegen die Schulter, und sagte, sowohl an ihn, als auch an seinen Stamm gewandt: "So sei es: Jake gehört ab jetzt wieder zu uns! Wir beide sind Anführer; es wird ab jetzt wieder so sein, wie zuvor. Ich hoffe, du kannst mir vergeben, Bruder!" und man konnte noch ein wenig Zweifel, ja, sogar leichte Angst, aus ihm heraus hören.
Jake nickte, und schlug ihm ebenfalls leicht auf die Schulter. Ein Freundschaftszeichen: "Natürlich tue ich das!" Dann fiel ihm noch etwas ein, und er wurde doch noch einmal ein wenig blass: "Die im Raum stehende Anklage gegen Samara..." "Ist hiermit nichtig. Es wird keine geben". Jake blickte zu Neytiri und Samara herüber, und konnte ihre Erleichterung und Liebe in ihren Blicken erkennen. Es war vorbei. Er wusste im Moment nicht wirklich, wie er sich fühlen sollte. Erleichtert, natürlich; aber er hoffte inständig, dass er nicht gleich in seiner Schlafstätte aufwachen, und merken würde, dass dies alles nur ein Traum gewesen war... Alles war möglich. Vielleicht stand ihm die wahre Verhandlung noch bevor?
Doch dies war Unsinn. Es war die Realität, in der er sich befand, und nachdem auch alle anderen ihre Treue, ihm gegenüber, bezeugt hatten, sahen sie, wie die Tiere sich wieder in den Wald zurück zogen. Wohin auch immer. Sie alle waren friedlich gewesen, keines hatte sie angegriffen; und Tsu´tey wusste, dass sie ebenfalls nicht die Verfolgung aufnehmen durften. Wenn sie diesen Wesen jemals noch einmal begegnen sollten, würde das Schicksal - beziehungsweise Eywa - entscheiden, ob sie diese dann bekämpfen oder jagen durften. Oder erneut nicht. Jetzt waren sie wegen etwas anderem hier gewesen: Gerufen von Eywa, um ihnen allen ihren Fehler aufzuzeigen.
Und sie hatten es alle verstanden: Neue Zeiten waren in Pandora angebrochen; nicht nur Eywa durfte entscheiden, auch sie. Zumindest in bestimmten Situationen. Und wie Jake, und ebenfalls Neytiri, es bereits zuvor gesagt hatten: Wenn Eywa etwas dagegen hätte, von dem, was sie entschieden, würde sie schon dementsprechend eingreifen. Und so gingen sie schließlich alle zusammen wieder zurück in ihr Dorf.
Samara wollte zu Tanía, um nach ihr zu sehen, sie wurde immer noch betreut. Die Droge hatte sie immer noch im Griff, und Tsu´tey machte sich große Sorgen um sie. Auch er wollte zu ihr, doch vorerst mussten sie besprechen, wie es jetzt mit den Tscha´lar weiter ging. Etwas musste ihnen einfallen, um diese Brut zu besiegen...
Doch Jake wollte zuerst etwas anderes. Er sprach kurz mit Tsu´tey, und dieser nickte. Natürlich hatte er Verständnis. Es war anstrengend für Jake gewesen, und die letzte Zeit war grausam. Und er war hauptsächlich Schuld daran gewesen. Und obwohl ihre weiteren Pläne wichtig waren, so gab er Jake einen gewissen Raum für sich. Für sich und Neytiri...
Diese wollte selbstverständlich dasselbe, und hatte es ebenfalls zu lange vermisst. Sie hatte ja nicht einmal gewusst, ob sie ihren Liebsten jemals wiedersehen würde, und was danach mit ihm geschehen würde...
Und so waren sie beide schließlich in ihrem Reich angekommen, und warteten nicht mehr lange. Samara war bei Tanía, und leistete ihr Beistand, und die nächste Zeit würde sie niemand stören.
Jake führte Neytiri in ihre Schlafstätte, und legte sich auf sie. Sie küssten sich, zuerst langsam, dann immer mehr ihrem Verlangen nachgebend. Und dann gaben sie sich einander vollständig hin. Auf eine Art, wie sie es noch nie getan hatten. Beide flogen in ein Reich Eywas, das sie niemals zuvor betreten hatten. Es war das Paradies. Und niemand störte sie; es dauerte lange, bis sie wieder auf den Boden zurück kehrten...

